Blick von außen

Philippe Jaroussky holt Bach aus dem Schatten allzugroßer Vertrautheit – und Telemann aus dem Schatten Bachs

Opernwelt - Logo

Die Reflexe kommen bei manchen schnell. Jaroussky, wunderbar – aber mit Solokantaten von Bach? Welcher deutsche Counter würde sich, beispielsweise, an ein Album mit französischen Vertonungen von Verlaine wagen, wie es Jaroussky so hinreißend gelang? Andererseits: Pourquoi pas? Natürlich hört man, dass Deutsch nicht die Muttersprache des 38-jährigen Sängers ist. Aber man hört es positiv – an der Übergenauigkeit, mit der etwa die Vokale «ü» und «i» unterschieden werden, und am melodischen Sprachempfinden.

Teutonische Konsonantenballungen wie «Fluch und Freundschaft» stehen da nun mal der Clarté im Wege, und beiläufiges Mitlesen kann beim Hören nicht schaden.

Aber das ist kein Makel, sondern Teil der Anregung, Bach neu zu hören und ebenso Telemann. Bei Bach ist uns manches allzu vertraut, so sicher haben wir es uns in seiner Musiksprache eingerichtet und auch in dem Widerspruch, dass der in seiner Wirkung wohl weltumfassendste Komponist in seiner Vokalmusik ein sehr idiomatisches barockes Deutsch für orthodox lutherische Inhalte verwendet. Besonders in «Ich habe genug» (BWV 82) tut es nun gut, eine Stimme mit einer Biografie außerhalb der Oratorienlandschaft zu hören, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Volker Hagedorn

Weitere Beiträge
Arbeit an Verdi

Verdi, der «Shakespeare der Opernbühne», sei «der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist», hat Sergio Morabito 2013 in einer Umfrage geäußert. Er sei «der Meister der Verdichtung (im Sinne des Weglassen-Könnens) und der Zuspitzung (damit zusammenhängend: ein Genie der Rücksichtslosigkeit seinen Interpreten gegenüber)». Seine Musik bringe «alles –...

Impressum

  Impressum

57. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752295

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55 
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de

Redaktionsschluss dieser Ausgabe 
war der 08.11.2016

Redaktion
Jürgen Otten, Wiebke Roloff
Albrecht...

Was kommt...

Nino Rota, Ermanno Wolf-Ferrari
Zwei (fast) Vergessene, deren Leben und Wirken im Schatten prominenterer Großmeister ihrer Zeit blieb. Jetzt rücken sie Aufführungen in Gelsenkirchen, Görlitz und Graz wieder stärker ins Rampenlicht. 

Barbara Hannigan
Eine Sängerin erobert die Musikwelt. Erst als Spezialistin zeitgenössischer Musik, dann mit breit gestreutem...