AUFGEWÄRMT

Janáček: Jenůfa OSLO | OPERNHAUS

Opernwelt - Logo

Es ist etwas Seltsames um Leoš Janáčeks «Jenůfa»: Eigentlich haben wir heute keinen Bezug mehr zu einer moralinsauren, ländlichen Welt von vor anderthalb Jahrhunderten, in der eine uneheliche Schwangerschaft das ganze dörfliche Leben auf den Kopf stellt und nicht nur den werdenden Eltern, sondern sogar deren Ziehmutter immerwährende Schande bereitet.

Aber wir leiden und hoffen noch immer mit der Titelheldin, die von ihrem geliebten Stiefbruder Števa im Stich gelassen wird, und die der andere Stiefbruder Laca zunächst verunstaltet, um sie dann mit seiner unverbrüchlichen Liebe zu retten. Ein Grund für diese bleibende Faszination ist Janáčeks Orchesterklang, der das Parlando der Singstimmen farbig und nie forcierend trägt; ein weiterer die empathische, minutiöse Zeichnung der Charaktere. 

Regisseur Keith Warner setzt die Psychologie dieses Kammerspiels in Oslo präzise, empathisch und dank seines Ensembles überzeugend um. Hier werden Personenführung und spielerische Intensität zum Ereignis. Doch was mag Warner dazu gebracht haben, sich von Jason Southgate ein derart langweiliges Bühnenbild mit 1950er-Jahre-Geruch zu bestellen, überdies fast eine Kopie der Inszenierung von Olivier ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Stephan Knies

Weitere Beiträge
Verwüstung ist kein Gedankenspiel

Natürlich ist es verrückt, beklemmend und auch bizarr, wenn man jetzt in eine Musiktheateraufführung geht, in der die Welt in Trümmern liegt, die Oper kaputt ist und seltsam seelenlose Wesen die Szenerie beherrschen. Wäre Ole Hübners Oper «opera, opera, opera! revenants and revolutions» wie geplant vor zwei Jahren bei der Münchner Musiktheater-Biennale 2020...

IN ANFÜHRUNGSSTRICHEN

Der rote Lappen ist unten, aber nicht ganz, deshalb können wir sehen, wie sich da, trippelnd und dehnend, eine Schauspieltruppe warmläuft. Die Musik, ein ohrenöffnendes Klarinettensolo, suggeriert Behaglichkeit: «Es war einmal». Das Auge aber hat sich einzustellen auf Theater im Theater in Neonrahmen (gebaut von Vincent Lemaire), alles in Anführungsstrichen...

Verrückte Hühner

Der Text war brisant. Und kursierte deswegen anfangs in der Deutschen Demokratischen Republik nur «unter der Hand». Letztlich aber konnte (und wollte) auch sein Autor nicht verhindern, dass er in die breite Öffentlichkeit drang und dort, was Wunder, heiß diskutiert wurde. Nichts Geringeres nämlich hatte der umstrittene Dramatiker Peter Hacks versucht, als – in...