Auf der Höhe seiner Zeit
Turandot war sein Schicksal. Nicht aber die eisgekühlte Prinzessin dieses Namens, sondern Giacomo Puccinis unvollendete Oper. Mit ihrer Vervollständigung wurde Franco Alfano nach dem Tod des Komponistenkol -legen 1924 beauftragt, allein, großes Glück war ihm nicht beschieden. Seine erste Version (nach Skizzen Puccinis) fegte der Uraufführungsdirigent Arturo Toscanini furios vom Pult, er verlangte drastische Kürzungen.
Die aber führten dazu, dass der schließlich fast legendentaugliche «Alfano-Schluss» in sich auch irgendwie unfertig anmutet – was wiederum knapp 80 Jahre später dazu führte, dass Luciano Berio ein neues Ende der Oper komponierte, über dessen Qualitäten bis heute trefflich gestritten wird, weil, was wenig verwundert, Berio zwar versuchte, den Epilog aus dem «Geiste» des «Turandot»-Schöpfers zu formen, sein ureigenstes Klangidiom aber nicht gänzlich verwischen wollte.
Über das Lied-Œuvre Alfanos war bislang wenig bekannt. Doch diesem traurigen Umstand konnte nun abgeholfen werden. Unter dem Titel «Liriche» ist beim kleinen, feinen Label bastille musique eine schön gestaltete, aus drei CDs bestehende Edition erschienen, die in chronologischer Reihenfolge sämtliche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Virginie Germstein
Der «Andere», namenlos, kommt ins Dorf, mit Esel und Pferd. Ein Krieg ist zu Ende, der die Überlebenden, so oder so beschädigt, zurückgelassen hat. Gewaltmenschen waren aufgetaucht, in dem merkwürdig deformierten Pseudo-Deutsch, das sich hier ins Französisch mischt, «Fratergekeime» genannt. Sie hatten Männer gemordet und Frauen misshandelt, hatten Lager umzäunt für...
In der russischen Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begegnen uns insbesondere bei Gogol und Dostojewski ganz unheldische Helden, die zuvor kaum je die Aufmerksamkeit der Dichter erregten. Sie entsprechen dem Typus des «armen Beamten». Auffällig ist, dass in vielen der ihnen gewidmeten Geschichten ihre Identität bedroht ist: So trifft in Dostojewskis...
Im vergangenen Juli legte die Gewerkschaft Les Forces musicales, die 51 französische Opernhäuser und Orchester vertritt, eine konsternierende Broschüre vor. «La Saison fantôme» betitelt, stellte sie eine Auswahl von 19 «Geister-Produktionen» vor, die das Publikum diese Spielzeit nicht oder nur in flüchtigen Umrissen zu sehen bekommt. Abgesagte Produktionen oder...
