Auf der Höhe seiner Zeit
Turandot war sein Schicksal. Nicht aber die eisgekühlte Prinzessin dieses Namens, sondern Giacomo Puccinis unvollendete Oper. Mit ihrer Vervollständigung wurde Franco Alfano nach dem Tod des Komponistenkol -legen 1924 beauftragt, allein, großes Glück war ihm nicht beschieden. Seine erste Version (nach Skizzen Puccinis) fegte der Uraufführungsdirigent Arturo Toscanini furios vom Pult, er verlangte drastische Kürzungen.
Die aber führten dazu, dass der schließlich fast legendentaugliche «Alfano-Schluss» in sich auch irgendwie unfertig anmutet – was wiederum knapp 80 Jahre später dazu führte, dass Luciano Berio ein neues Ende der Oper komponierte, über dessen Qualitäten bis heute trefflich gestritten wird, weil, was wenig verwundert, Berio zwar versuchte, den Epilog aus dem «Geiste» des «Turandot»-Schöpfers zu formen, sein ureigenstes Klangidiom aber nicht gänzlich verwischen wollte.
Über das Lied-Œuvre Alfanos war bislang wenig bekannt. Doch diesem traurigen Umstand konnte nun abgeholfen werden. Unter dem Titel «Liriche» ist beim kleinen, feinen Label bastille musique eine schön gestaltete, aus drei CDs bestehende Edition erschienen, die in chronologischer Reihenfolge sämtliche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Virginie Germstein
Die Entscheidung fällt nicht eben leicht: Soll man Lehárs «Lustige Witwe» nun toll finden oder doch eher ein bisschen doof? Wäre der Maßstab die Art und Weise, wie Patrick Hahn den orchestralen Entr’acte mit der Melodie des Vilja-Lieds vor dem Finalakt dirigiert und dabei jede feine Nuance dieses melancholischen Klangbildes hervorzaubert, fiele das Votum klar aus:...
In Verdis «La traviata» einzutauchen, komme ihm vor «wie ein Besuch im Spa», erklärt der Tenor Matthew Vickers. «Es fühlt sich einfach gut an, mich in diesem Stück zu bewegen, es ist wie ein Gesundheitstag für die Stimme.» In der Rolle des Alfredo kann man den 38-Jährigen zurzeit am Staatstheater Darmstadt erleben, wo er seit Beginn dieser Spielzeit fest engagiert...
Das ganze Leben in einem Pappkarton? Manchmal passiert es. María, das traurige Tango-Kind aus den Straßen von Buenos Aires erlebt nach ihrem Tod ein solches Schicksal. Sie wird zur Akte. Aber damit nicht genug. Sie muss ihr Leben, das alles andere war als ein Zuckerschlecken, noch einmal durchleiden, 90 Minuten lang: die von Armut beschwerte Kindheit, der kurze...
