Was heißt hier Provinz?

Der Ruf der Kulturnation wird auch und gerade an kleinen Häusern verteidigt. Ohne sie wäre Deutschlands Theaterlandschaft nicht das, was sie ist. Eine Reise nach Quedlinburg und Hildesheim, zu Daniel François Esprit Aubers «Fra Diavolo»

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Ein grauer Morgen in Quedlinburg, es nieselt, die Temperaturen werden nicht über fünf Grad steigen, der Himmel liegt so tief, dass die Wolken am Turm der Stiftskirche hängen zu bleiben drohen. Mon Dieu, wie soll man so einen deprimierenden Sonntag nur durchstehen? Gehen wir doch einfach in die Oper! Um 15 Uhr wird Daniel François Esprit Aubers «Fra Diavolo» gegeben.Das ist der Zauber des deutschen Stadttheater-Systems.

In welchem Land der Welt gibt es das noch – eine 25 000-Einwohner-Gemeinde, die ihr eigenes Mehrspartenhaus hat, ein lokales Zentrum der Live-Kultur, ganzjährig bespielt, mit festem Solistenensemble, mit eigenem Chor und Orchester? Der Ruf der deutschen Kulturnation wird jenseits der Metropolen verteidigt, an Orten wie Quedlinburg und Halberstadt, den beiden Stammhäusern des Nordharzer Städtebundtheaters. Oder in Hildesheim, wo das Theater für Niedersachsen zu Hause ist.

«Wer heute, im Zeitalter von Breitbandinternet, ICEs und dem dichtesten Autobahnnetz der Welt noch ‹Provinz› sagt, denkt in Kategorien des 19. Jahrhunderts», schrieb der Karlsruher Intendant Peter Spuhler kürzlich in «Theater heute». «Provinz spielt sich inzwischen im Kopf ab, findet sich nicht in ...

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Opernwelt April 2016
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Frederik Hanssen

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