Schmerz, der nie vergeht

Lieder über den Krieg: Anna Prohaskas ergreifende Anthologie aus vier Jahrhunderten

Opernwelt - Logo

Dass der Tonträgermarkt sich gern an Jubiläen orientiert, um für seine Produkte ein möglichst großes Maß an Aufmerksamkeit zu nutzen, ist ein altbekanntes Phänomen. Eine Lied-CD, die zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs erscheint und Werke präsentiert, die überwiegend das Thema Krieg thematisieren, ist unter den Gedenkjahresangeboten allerdings eine bemerkenswerte Ausnahme.

Die Booklet-Fotos, die Anna Prohaska in einer Art wilhelminischen Militärmantel zeigen, wie er der historisch informierten Fantasie eines heutigen Modeschöpfers entsprungen sein könnte (oder es sogar ist), lassen auf den ersten Blick befürchten, dass hier ein Thema von geradezu existenzieller Wucht konjunkturgemäß aufbereitet und kundentauglich ästhetisiert wird. Doch schon nach den ersten Tönen des einleitenden Volkslieds «Es geht ein dunkle Wolk herein» ist klar, dass der Inhalt dieser CD nicht identisch mit deren Verpackung ist. Unbegleitet und mit klarer, doch verhaltener Stimme vermag Anna Prohaska einen Sog zu erzeugen, der in eine dramaturgisch überaus stimmig gestaltete Abfolge von Liedern aus vier Jahrhunderten hineinzieht und bis zum Schluss nicht nachlässt.

Unter den Liedern finden sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 42
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Logout

Die Lage hat sich weiter zugespitzt. Konfrontiert mit wachsenden Defiziten der New Yorker Metropo­litan Opera, nahm sich Intendant Peter Gelb vor, die Personalkosten drastisch zu senken – und forderte von den Mitarbeitern einen Lohnverzicht in Höhe von 16 Prozent (siehe OW 6/2014). Die Musiker hingegen werfen Gelb vor, das Geld für teure, aber schlecht laufende...

Stabile Seitenlage

Es hätte schiefgehen können. Vor drei Jahren standen die Bühnen der Stadt Gera und das Landestheater in Altenburg kurz vor der Pleite. Nichts schien mehr zu gehen, der letzte Vorhang nur eine Frage der Zeit. Zumal die 1994 verordnete Fusion zur TPT, der Theater und Philharmonie Thüringen GmbH, Wunden schlug, die bis heute nicht verheilt sind. Seit 1871 wird in...

Das ist ein Läuten und Leuchten

Sie ist ein Wunder!» – an Vorschusslorbeer herrscht kein Mangel. Freilich stammt der Satz nicht von irgendwem, sondern von Montserrat Caballé. Auch Teresa Berganza und Elena Obraztsova werden mit Lobeshymnen zitiert. Sie gelten der in Baku geborenen Sopranistin Dinara Alieva. Ausgebildet wurde sie an der Musikakademie ihrer Geburtsstadt. Preise in diversen...