Russische Schule
Vorsichtig, etwas wackelig schritt er auf die Bühne, der Gleichgewichtssinn machte nicht mehr richtig mit. Doch getragen wurde er, der so breit ins Auditorium lächelte, von einem Tsunami der Sympathie. Ohrenbetäubender, auch ungläubiger Jubel, Standing Ovations – ein letztes Mal kehrte Dmitri Hvorostovsky im Mai dieses Jahres zurück. Alle Kraft nahm er zusammen, um als Überraschungsgast der Met-Gala dem Publikum Rigolettos «Cortigiani» entgegenzuschleudern.
Und als der Russe angelangt war beim ruhigeren Teil, bei «Ebben, piango» und «Pietà, signori», dürfte er der Einzige gewesen sein, der nicht Tränen in den Augen hatte – der Backstage-Bereich eingeschlossen: Auch dort, so erzählt einer, der dabei war, verloren fast alle die Fassung.
Nun hat Dmitri Hvorostovsky einen Kampf verloren, den er so offensiv und entschlossen austrug, wie er seine Rollen gestaltete. 2015 die Diagnose: Hirntumor. Chemotherapie, viele Absagen, seltene, heftig gefeierte Auftritte. Und dann sogar noch eine CD mit russischen Szenen (OW 4/17), die vom gereiften Hvorostovsky kündete, von einer neuen Dimension an Ausdruckskraft und Wahrhaftigkeit. So wie er im Alter immer attraktiver wurde mit seinem weißen, ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Markus Thiel
59. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752307
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Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)
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Andrea Kaiser...
«Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied – ein garstig Lied!» Das Wort des Mephisto aus Goethes «Faust» diente als Keule, die gegen Hanns Eisler geschwungen wurde, den Komponisten agitatorischer Lieder und insbesondere der DDR-Nationalhymne. Der Schönberg-Schüler hatte anno 1935 verkündet, «das Kampflied» sei das «einzige Volkslied des Proletariats».
Für ihre...
Tropfen. Erst ist es nur einer, der im Irgendwo herabsinkt, zeitlupenhaft vergrößert wie in Andrej Tarkowskijs «Nostalghia», als ins schier Unendliche zerdehnte Zeit. Nach dem Aufprall herrscht sekundenlang Stille, dann fällt ein weiterer Tropfen. Und dann sind es immer mehr, von überall her drängen sie, elektronisch verstärkt, herein, bis man förmlich umzingelt...
