Russische Passion
Fangen wir an mit den Farben. Mit dem Rot, Gelb und Blau, dem Weiß, Schwarz und Grau der bühnengroßen Prospekte, die hinten auf- und niederfahren. Unentwegt verändern die riesigen Leinwände ihre Anmutung, in sanft fließender Bewegung. Strahlen wie die Sonne, glühen wie Höllenfeuer, werden dunkel wie die Nacht, grünen wie der Frühling. Metamorphosen des Lichts, die an die color field-Malerei des amerikanischen Expressionismus denken lassen.
An Mark Rothko und Barnett Newman, jene Mystiker der Pigmente und Propheten der reinen Abstraktion, die mit jedem ihrer großformatigen Bilder das Erhabene suchten, einen Hauch der Ewigkeit. Eine Wahrheit, die allen Ballast der Geschichte und des Gedächtnisses abgeschüttelt, sich gleichsam auf null zurückversetzt hat.
Wenn heute noch ein Regisseur an das Erhabene glaubt, dann heißt er Peter Sellars. Die Macht der Künste, eine existenzielle «Bewegung des Gemüts» (Kant) auszulösen oder uns, wie Schiller es formulierte, «einen Ausgang aus der sinnlichen Welt» zu verschaffen, um eine höhere Wahrheit zu schauen – an dieser Utopie hält Sellars fest. Natürlich ist er kein Mann der ästhetischen Theorie, und das (politische) Thesentheater ist ihm so fremd ...
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Dass fast alle von vornherein verloren sind, wird schnell klar. Ausstatterin Annemarie Woods, die 2011 (mit anderem Regiepartner) zwei wichtige Nachwuchspreise gewann, lässt den Figuren kaum Raum für Entfaltung – weder in ihrer zwischen Surrealismus und Expressionismus schwankenden Bühne noch in ihren historisierenden Kostümen, die das Stück ins frühe 20....
Keine Frage: Als gute, alte Tante wird die Oper das 21. Jahrhundert allenfalls im Museum überleben. Wenn immer nur die gleichen fünfzig oder sechzig Stücke den Spielplan prägen, ist die Mumifizierung der Gattung vorprogrammiert. Da kann die post-dramatische Regie noch so kühn Händel und Mozart, Verdi und Wagner oder Puccini und Strauss auseinandernehmen – der...
In der zweiten DVD-Staffel von Aufführungen der Metropolitan Opera greift Sony in den Fundus und präsentiert Produktionen, die teilweise älter aussehen, als ihr Entstehungsdatum vermuten lässt. Das gilt insbesondere für die Inszenierungen von Franco Zeffirelli, dem Verfechter eines traditionellen und kulinarischen Musiktheaters, das hier im Falle von «Otello» und...
