Projektionsfiguren

Puccini, analytisch: «Manon Lescaut» in Graz und «Il trittico» in Wien

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«No, non voglio morire! Amore... aita!», schluchzt Manon. Der elegante Herr, den sie um Hilfe anfleht, zeigt sich zwar tief bewegt, aber letztlich unerbittlich: Der Bühnentod muss eingehalten werden. Der Abweisende ist nämlich Puccini selbst (in Gestalt von János Mischuretz), schon vorher stets präsent, Zigarette im Mundwinkel, Gehrock, Melone. Und Manons Sterben ist künstlerisches Konzept.

«Letztlich töten wir die Liebe, um sie zu greifen, sie durch Kunst zu erlösen», erklärte Regisseur Stefan Herheim bereits vor acht Jahren, als er in Wien an der Volksoper «Madama Butterfly» inszenierte (und dabei den Komponisten ebenfalls auf die Bühne brachte). Puccini habe sich auf diese Weise Bedürfnisse erfüllt, die er im wirklichen Leben nicht realisieren konnte.

Mit den Protagonistinnen seiner Opern verkehrte der Meister aus Lucca oft mehrere Jahre lang mit äußerster Intensität, schuf Projektionsfiguren, Ideenfrauen. Die Parallele zu Wedekind/Bergs «Lulu» bietet sich an, zumal die Bemerkung Karl Kraus’ über eine, «die sich erst im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», durchaus auch auf Manon zutrifft. Nicht so sehr auf jene von Abbé Prévosts Roman, vielleicht auch nicht unbedingt auf ...

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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché

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