N1-H1L, oder doch lieber 3T-3RN-4L?
Fast könnte man sagen, es ist ein Abend der Duette. Ausgerechnet dort, wo die Musik des «Fliegenden Holländer» beiläufig wirkt, weil sie mit der Tradition hantiert, sorgt Christian Thielemann für neue Hörperspektiven – in genauer Absprache mit seinen Solisten und einem bestens aufgelegten Festspielorchester. Nicht die von Wagner provokativ und nassforsch auskomponierte Meeresgischt zieht unsere Ohren diesmal an, sondern, eben, die Kunst der Duette. Wagner spannt da gern zusammen, was eigentlich gar nicht zusammen gehört.
Den buffonesken Raffzahn Daland etwa, der gerade seine Tochter verschachert, und den melancholisch und halbtonweise seine Melodie nach oben führenden Ahasver der Meere («Wie? Hört ich recht»/«Ach! ohne Weib, ohne Kind bin ich»). Beide singen – im Duett – völlig Verschiedenes, nähern sich allmählich einander an und zielen schließlich auf ein stählernes G-Dur, das wiederum sofort mediantisch umgebogen wird. Thielemann unterlegt Dalands Staccato-Stutzigkeit quasi mit einem gedachten Legato, modelliert die gleichzeitig klingende Holländer-Kantilene mit feinen Accelerandi. So entsteht Einheit aus Verschiedenartigkeit. Beim Duett zwischen Senta und Erik ist es ähnlich. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Das Berliner Musikfest stellt 2012 unter anderem Musiktheater in den Mittelpunkt. Simon Rattle dirigiert seit Langem wieder «Porgy and Bess», Sylvain Cambreling leitet Schönbergs «Moses und Aron» – und John Adams steht höchstselbst am Pult bei seinem Durchbruchsstück «Nixon in China».
So viel Stockhausen war selten. In Birmingham findet die erste Gesamtaufführung...
Selten ist im Vorfeld einer Premiere so viel schiefgelaufen wie jetzt im Mannheimer Nationaltheater bei Johann Christian Bachs «Temistocle», einer Reformoper, die 1772 in Mannheim uraufgeführt und seither kaum mehr gespielt worden ist. Ursprünglich sollte sie szenisch von Achim Freyer betreut werden. Als dieser sich entschied, als «Ring»-Regisseur einzuspringen,...
Nichts weniger als den Übergang vom Spätbarock zur Frühklassik markiert dem italo-amerikanischen Musikwissenschaftler Elvidio Surian zufolge die Uraufführung von Johann Adolf Hasses Oper «Artaserse» 1730 in Venedigs Teatro San Giovanni Grisostomo: ein Meilenstein nicht nur in der Entwicklungsgeschichte der Oper als Genre, sondern auch Anfangspunkt der beispiellosen...
