«#2 Oase» mit Rafal Dziemidok; Foto: Falko Siewert
Musik als Katalysator
Die Orte sind unterschiedlicher nicht denkbar. Hier der pittoreske Musentempel, ehedem ein Schauspielhaus, vor einer halben Ewigkeit bereits zum Konzertsaal umfunktioniert. Dort eine Kirche, altehrwürdig, sowie ein ehemaliges Fitnesscenter. Keine Gemeinsamkeiten, nirgends. Auch nicht, was die Stoffe angeht. Shakespeare und die Bibel kann man kaum zusammendenken. Und doch geschieht in beiden Fällen Identisches: die Verwandlung des Raums in einen genius loci.
176 Jahre nach seiner Uraufführung erlebt der «Sommernachtstraum» mit der Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy eine theatrale Umsetzung, die vergessen lässt, wo man sich aufhält. Der Große Saal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt sieht sich in blaues Licht getaucht; ein Großteil der Stühle im Parkett wurde herausgeräumt, um Platz zu machen für eine rechteckige Bühne, die den Schauspielern der estnischen Theaterformation NO99 für ihren ganz persönlichen Shakespeare-Traum dient, doch nicht die eigentliche Bühne darstellt. Die ist ein riesiger weißer Globus, auf den das Geschehen projiziert wird. Keine Gestalten sehen wir, sondern in erster Linie Gesichter, die eine Kamera auf die virtuos mit Worten hantierenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten
Ein gutes Foto, sagt Werner Kmetitsch, kann jeder schießen, auch in der Oper. «Das ist mit der heutigen Technik kein Problem mehr.» Aber eine komplette Produktion zu fotografieren, Szene für Szene, stets verlässlich auf demselben hohen Niveau – das mache den Unterschied zwischen Hobby- und Profifotografen aus. Und Profi wollte Werner Kmetitsch eigentlich nie...
«Die Zeit, die ist ein sonderbar’ Ding.» Für ihre 2001 erschienenen Lebenserinnerungen wählte Hilde Zadek diesen zentralen Satz der «Rosenkavalier»-Marschallin, ihrer Lieblingspartie, die sie in der ganzen Welt gesungen hat. «Was ist die Zeit, und warum ist sie ein sonderbar’ Ding?», fragt die Sängerin in ihrem Buch und spricht dann von den verschiedenen Phasen...
Sieben Uraufführungen, sieben Metropolen, sieben Stationen der Operngeschichte – «a soundtrack to the history of Europe», so Tristram Hunt, Direktor des Victoria & Albert Museums in London, will die Ausstellung «Opera: Passion, Power and Politics» sein. Einen Soundtrack gibt es tatsächlich, via Kopfhörer; er passt sich per Bluetooth flexibel dem Standort des...
