Mit Vorglühzeit
Anfang März blickte nicht nur die Wagner-Gemeinde gespannt nach Paris. Günter Krämer heißt der wackre Held, der erstmals seit den sechziger Jahren Wagners Weltendrama an der Opéra in Szene setzen sollte. Wirklich überzeugend geriet der Auftakt zur Tetralogie nicht: Eine Herrengesellschaft in Brustpanzern erklomm da ein Stahlgerüst mit Germania-Schriftzug, Alberichs Nibelungen zerschnitten eine Goldkugel, allerlei Soldateska irrte herum. Krämer warf vor allem Fragen auf, die meisten blieben unbeantwortet.
Mit der Premiere der «Walküre» zeichnet sich indes ab, dass der Pariser «Ring» doch noch ein Wurf werden könnte.
Krämer verbindet mehrere Ebenen: Einerseits erzählt er eine heutige Geschichte um Macht- und Kontrollverlust, um Liebeslust und -entzug; andererseits schafft er eine mit Videoprojektionen aufgerüstete Märchenwelt. Die Winterstürme des verliebten Wälsungenpaares finden vor einem sehr realen Wonnemond in einem Wald voll blühender Apfelbäume statt. Die Kraft spendenden Früchte tauchen immer wieder auf, verweisen dezent aufs «Rheingold», wo sie als obligatorische Götterspeise dienten. Bei der Todesverkündigung mutiert der Hain zum Totenwald, bevölkert von spukhaften ...
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