Mit Vorglühzeit

Paris, Opéra National (Bastille): Wagner, Die Walküre

Opernwelt - Logo

Anfang März blickte nicht nur die Wagner-Gemeinde gespannt nach Paris. Günter Krämer heißt der wackre Held, der erstmals seit den sechziger Jahren Wagners Weltendrama an der Opéra in Szene setzen sollte. Wirklich überzeugend geriet der Auftakt zur Tetralogie nicht: Eine Herrengesellschaft in Brustpanzern erklomm da ein Stahlgerüst mit Germania-Schriftzug, Alberichs Nibelungen zerschnitten eine Goldkugel, allerlei Soldateska irrte herum. Krämer warf vor allem Fragen auf, die meisten blieben unbeantwortet.

Mit der Premiere der «Walküre» zeichnet sich indes ab, dass der Pariser «Ring» doch noch ein Wurf werden könnte.

Krämer verbindet mehrere Ebenen: Einerseits erzählt er eine heutige Geschichte um Macht- und Kontrollverlust, um Liebeslust und -entzug; andererseits schafft er eine mit Videoprojektionen aufgerüstete Märchenwelt. Die Winterstürme des verliebten Wälsungenpaares finden vor einem sehr realen Wonnemond in einem Wald voll blühender Apfelbäume statt. Die Kraft spendenden Früchte tauchen immer wieder auf, verweisen dezent aufs «Rheingold», wo sie als obligatorische Götterspeise dienten. Bei der Todesverkündigung mutiert der Hain zum Totenwald, bevölkert von spukhaften ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Jörn Florian Fuchs

Vergriffen
Weitere Beiträge
Patchwork

Mehr als 250 Mitwirkende auf und hinter der Bühne, 490 Kostüme, 202 Perücken, 396 Paar Schuhe, 500 Kulissenteile, 42 Szenenbilder, 70 Bühnenfahrten – ein größerer Aufwand ist an der Norwegischen Nationaloper noch nie für eine einzelne Produktion getrieben worden. Geld spielte bei dieser verspäteten Uraufführung in Oslo, mit der das neue «weiße» Haus am Hafen...

Neue Ausgabe der Opernwelt

Schwerpunkt im Juli ist ein Ausblick auf die Festpiele des Sommers. Unter anderem äußert sich Salzburgs Konzertchef Markus Hinterhäuser zu den Perspektiven des Festivals an der Salzach. Ein Debüt in Bayreuth ist Anlass unseres Interviews (siehe unten). Vor allem schauen wir nach Bregenz, das sich in diesem Jahr einem zu Unrecht vergessenen polnischen Komponisten...

Russisches Musiktheater

Claudio Abbado und Alfred Kirchner haben 1989 in Wien den Nachweis erbracht, dass das schwer zugängliche Historiendrama «Chowanschtschina» ein dem viel gespielten «Boris Godunow» ebenbürtiges Werk ist. Seitdem haben sich einige größere westeuropäische Häuser an dem Stück versucht und sind zu ähnlichen Resultaten gelangt. «Chowanschtschina» stellt für den Dirigenten...