Ladykracher

Verdis «Macbeth» an der Berliner Lindenoper, von Harry Kupfer altmeisterlich in Szene gesetzt, ist ein Triumph für Anna Netrebko, Daniel Barenboim – und ein wenig auch für Plácido Domingo

Opernwelt - Logo

Diese Katze hockt nicht auf dem heißen Blechdach, sie thront auf einem kühlweißen Sofa. Das Raubtier als künftige Königin. Schwarzer Hosenanzug mit deutlichen Seidenanteilen, perfekt an den Körper geschmiegt, darüber die lange, schwarzglänzende Mähne, eine Miene voller Stolz und herrschaftlicher Arroganz sowie blitzende Augen, denen nichts entgeht; an den Füßen High Heels, die sich in den Edelstoff hineinbohren wie der Dolch in Duncans Brust. Gäbe es die Attitüde der Macht, in diesem Augenblick wäre sie zu bestaunen.

Aber nicht allein deswegen ist der Auftritt von Anna Netrebko atemraubend. Es ist die Art und Weise, wie sie singt. Wie sie die Töne in den Saal wirft, mit jener (gutturalen) Grandezza, die nur eine wahre Primadonna assoluta sich leisten kann. Gleich den ersten Anstieg hoch zum zweigestrichenen g bewältigt sie fast nebenher, mit leuchtendem Timbre, und die kurz darauf folgende Girlande, die bis zum c drei hinaufführt, klingt auch schon so, als sei das hier nur eine leichte Übung auf dem Weg zum Gipfel.

Grandioso wünscht sich Verdi das Des-Dur-Andantino «Vieni! t’affretta!», welches dieser tonartlosen Introduktion folgt. Und so ist Netrebkos Gesang: eine Demonstration ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was kommt... August 2018

Festivals
Sommerzeit ist Reisezeit. Und Gelegenheit, eines der vielen Festspiele zu besuchen – von Bayreuth bis Bregenz, von Salzburg bis Santa Fé, von München bis Aix-en-Provence (Foto). Wir sind vor Ort

Tobias Richter
Angefangen hat er als Regisseur. Doch seit mehreren Jahrzehnten sieht sich der Theatermann in erster Linie als Kunstermöglicher. Nun geht er in...

Alles eine Frage der Technik

Schon als Kind stand er auf der Bühne. Und schon als Teenager war ihm klar, dass er Sänger werden wollte. Anfangs dachte Michael Spyres, er sei Bariton. Der Wechsel ins Tenorfach zog sich über Jahre, doch er schaffte ihn fast im Alleingang. Learning by doing – das ist bis heute die Maxime des Generalisten aus Missouri geblieben, der sich in keine Schublade zwängen...

Empört Euch!

Er debütierte als Tamino in Zauberflöte; er verkörperte wichtige Rollen im Bettelstudent, Orfeo (Monteverdi), Die Meister-Sänger von Nürnberg, Gärtnerin aus Liebe, Antigone, Der Revisor, Così fan tutte, Entführung aus dem Serail, Der Wildschütz, Barbier von Siviglia, Alcina, Die schweigsame Frau und Oedipus der Tyrann. Er tritt regelmäßig an den Staatstheatern in...