Kühle Eleganz, lässige Perfektion
Eine frühe Aufnahme ist erhalten, aus den Sechzigern dürfte sie sein. Da steht er vor dem Orchester der römischen RAI, jung, rank, Afro-Frisur, und entfesselt Wagners «Meistersinger»-Vorspiel. Doch kein Stürmer und Dränger ist am Werk, der jugendfrisch charmiert. Lorin Maazel war schon viel weiter. Mit der Rechten werden die Wogen energisch kanalisiert, der Taktstock wird geführt wie eine Verlängerung des Zeigefingers, die Linke unterstützt formend. Ab und zu knicken die Handgelenke ein: ein T(r)ick, der Lässigkeit und Souveränität zugleich ausstrahlt.
Einmal, nach der Vorwegnahme der Prügelfuge, wenn sich das Geschehen beruhigt, tut Maazel fast gar nichts mehr, gibt abgeklärt Minimalsignale. Und das Orchester, man kann sich das gut ausmalen, muss spätestens jetzt Wachs in seinen Händen gewesen sein.
So viel hatte sich seitdem gar nicht verändert. Überlegenheit, Perfektion, ein Handwerk nahe der Vollkommenheit, das kommt einem am ehesten bei diesem Ausnahme-Maestro in den Sinn. Am 13. Juli ist er in Castleton (Virginia) an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. 84 Jahre alt wurde Lorin Maazel, im März hatte er seine letzten Konzerte dirigiert, bei seinen Münchner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Markus Thiel
Zwei Autostunden nördlich von New York City, am Hudson River gelegen, findet seit 25 Jahren eines der wichtigen nordamerikanischen Sommer-Musikfestivals statt. An zwei Wochenenden widmet sich am Bard College das American Symphony Orchestra unter der Leitung von College-Präsident Leon Botstein den Werken ausgesuchter Komponisten, flankiert von Vorträgen, Symposien...
Auf dem Cover ein Mädchen, das sich in einen Umhang schmiegt. Silberne Pixel, in weißen Grund geprägt. Sonst nichts. Nur auf dem Rücken dezente Schrift. Die Ränder der Seiten sind in einem aufwändigen Wellenmuster geschnitten. Drinnen, in saftigen Farben, ein Portfolio des Mode- und Werbefotografen Pierre Debusschere. Ein Bildband? Ein Ausstellungskatalog?...
Verheißungsvolles rosa Glimmen, dann ein Krach. Der Käfig, der sich vor dem Alkoholator aus dem Bühnenboden schiebt, ist steckengeblieben. Technische Störung in der Untermaschinerie. Die ins Tiefgeschoss der Wartburg verdrängten Triebe – verklemmt! Tannhäuser und eine hochschwangere Venus hieven sich durch die Dachluke und machen oben weiter, so gut es geht. Aber...
