Krankheit, Heilung, Erlösung

Remdoogo geht alle an: Wie der abwesende Christoph Schlingensief bei den neuen Kunstfestspielen in Hannover-Herrenhausen sein afrikanisches Operndorfprojekt erklärt

Opernwelt - Logo

Der Name Christoph Schlingensief ist inzwischen untrennbar mit dem Attribut «Lungenkrebs» verbunden. Das ist kein Zufall, fördert er doch selbst nach Kräften die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben; die öffentliche Zurschaustellung und Verkunstung seiner Krankheit ist Teil einer Therapie. Davon konnte man sich zuletzt wieder in seinem Luigi-Nono-Verschnitt «Intolleranza II» überzeugen, der in Brüssel und Hamburg zu sehen war, inszeniert mit Darstellern aus Burkina Faso.

Dort, in Afrika, liegt für Schlingensief die Kraft, die den weißen Mann heilen kann – oder zumindest ihn ganz persönlich. Seit Februar entsteht auf seine Initiative in dem westafrikanischen Land, in Remdoogo, ein Operndorf, das einmal eine Schule, ein Krankenhaus und ein Festspielhaus für 600 Menschen beherbergen soll. Ein Modell war während der neuen Kunstfestspiele Herrenhausen in Hannover zu besichtigen.

Warum ausgerechnet dort, mag man sich fragen. Was haben die barocken, strengen Gartenanlagen der Welfen, in denen es an allen Ecken und Enden grünt und blüht, mit dem staubigen, roten Hochplateau zu tun, auf dem das Operndorf entstehen soll? Dass man den Weg zum Modell nicht leicht findet, weil es versteckt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Neue Ausgabe der Opernwelt

Schwerpunkt im Juli ist ein Ausblick auf die Festpiele des Sommers. Unter anderem äußert sich Salzburgs Konzertchef Markus Hinterhäuser zu den Perspektiven des Festivals an der Salzach. Ein Debüt in Bayreuth ist Anlass unseres Interviews (siehe unten). Vor allem schauen wir nach Bregenz, das sich in diesem Jahr einem zu Unrecht vergessenen polnischen Komponisten...

...Deutsch

Herr Gallo, können Sie uns erklären, warum die großen italienischen Sänger bisher einen Bogen um den Grünen Hügel gemacht haben?
Das liegt allein an der italienischen Gesangsschule, die den Sängern immer eingetrichtert hat, es wäre gefährlich, in einer anderen Sprache als Italienisch zu singen. Noch zu meiner Studienzeit bestand der Unterricht in den Konservatorien...

Thema verfehlt

Verdis «Otello» einem Schauspielregisseur anzuvertrauen, der seinen Shakespeare kennt, ist eine naheliegende Idee. Und da die Musik vom ersten bis zum letzten Takt szenisch und auch räumlich konzipiert ist, muss sich auch ein relativer Opernneuling keine handwerkliche Blöße geben, wenn er nur zu lesen und zu hören versteht. Andreas Kriegenburg, derzeit...