Kein Liebestod
Verdis «Aida», so scheint es, ist ausgereizt, eine neue Sicht nicht zu erwarten. Auch Yona Kim bedient sich in Osnabrück der Bilder, wie sie sich seit Hans Neuenfels‘ legendärer Frankfurter Inszenierung durchgesetzt haben.
Der Triumphmarsch ist – wie von Verdi intendiert – ein Antitriumphmarsch, der senile König eine Marionette in Paradeuniform, Geheimdienstchef Ramfis der eigentliche Machthaber, der sich die Finger nicht schmutzig macht (das besorgt seine Schlägertruppe), und die anfangs mit weißer Schürze und Staubwedel auftretende Aida die Putzsklavin der mondänen Prinzessin Amneris. Aber Yona Kim gelingt es doch, neue Motivierungen für die eingeschliffenen Bilder zu finden, ja neue Akzente zu setzen, auch wenn sie sich nicht immer zu einer stimmigen Erzählung zusammenfügen.
Étienne Pluss hat ihr dafür eine neutrale Bühne gebaut, die jeden Gedanken an das alte Ägypten von vornherein ausschließt: einen strengen, nach allen Seiten geschlossenen Kasten – Antichambre für die wartenden Funktionäre einer totalitären Diktatur, auswegloses Gefängnis für drei junge Menschen, deren persönliches Glück der Staatsräson zum Opfer fällt. Aida ist von Anfang an gegenwärtig, wird Ohren- und ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
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