Im Sturm des Schicksals
Als Carl Orff nacheinander die Dramen «Antigonae» und «Oedipus der Tyrann» von Sophokles sowie den «Gefesselten Prometheus» von Aischylos auf die Bühne brachte, da feierten seine Anhänger, darunter so prominente Lobredner wie der Tübinger Altphilologe Wolfgang Schadewaldt und der Münchner Musikologe Thrasybulos Georgiades, diesen Austritt aus der Moderne als Wiedergeburt der antiken Tragödie aus dem Geist des Musiktheaters.
Orff hat in diesen beispiellosen Werken so gut wie alles negiert, was man bis dahin mit dem Begriff Musik verband, Harmonie und Melodik zugunsten einer Apotheose des Rhythmischen verabschiedet. Was er anstrebt, ist ein kultisches Theater, das ohne Kürzung und ohne Eingriffe in den Text ganz der Präsenz des dichterischen Worts dient. Er knüpft dabei unmittelbar an Hölderlin an, der in den Anmerkungen zu seiner «Antigonae»-Übersetzung geschrieben hatte: «Das griechischtragische Wort ist tödlichfaktisch, weil der Leib, den es ergreifet, wirklich tötet.»
Diesen «Mord aus Worten» realisiert Orff durch eine affektiv gesteigerte Stimmbehandlung, die über zahllose, in der Partitur aufs Genaueste notierte deklamatorische Abstufungen vom rhythmisch skandierten Sprechen ...
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