Huch und Ach
Darf man einen Buchtitel mit «Huch!» beginnen, diesem fast ausgestorbenen Füllsel aus dem Redeschwallrepertoire mitteilungsseliger Damen und neckischer Herren? Aber ja! Selbst wenn nicht der Autor, sondern der Verlag dieses «Huch!» aus den Texttiefen der Autobiografie auf den himmelblauen Buchdeckel gehievt hat: Es trifft recht gut eine Haltung, die einmal den Musikkritikern dieser Welt – und damit auch dem aus Wien stammenden und in Köln wirkenden Gerhard Bauer – entgegengebracht wurde. Hinter dem Huch! stecken nämlich zu gleichen Teilen Respekt und Vertrautheit.
Respekt, weil man den Kritiker als Autorität im Kulturleben ansieht. Und Vertrautheit, weil man ihm dafür schulterklopfend die Schrulligkeiten des Außenseiters nachsieht (Gerhard Bauer: «Huch, ein Kritiker! Leben und Lieben eines Wiener Journalisten in Köln». August von Goethe Literaturverlag, Frankfurt/M 2018; 175 Seiten, 14,80 Euro).
Gerhard Bauer, Jahrgang 1940, hat diese Mischung aus König und Hofnarr während seiner Jahrzehnte im Dienste des «Kölner Stadt-Anzeigers» gelebt – und er hat mit ihr gespielt. Als er 1969 aus seiner Heimatstadt Wien nach Köln kam, überraschte er nicht nur mit geballter Kenntnis, die er aus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Michael Struck-Schloen
Die Rolle, in der er 1952 in Bayreuth debütierte, ist winzig. Hermann Ortel fällt kaum auf, wenn sich Wagners Nürnberger Meistersinger zur «Zunftberatung» treffen. Für den damals gerade 26-jährigen Sänger indes hatten die ersten Worte des Seifensieders besondere Bedeutung: «Immer am Ort.» Theo Adam war ein weltläufiger Lokalpatriot, der seiner Geburts- und...
Das amerikanische Label RCA war zu Beginn der 1950er-Jahre der Pionier stereofoner Orchester-Aufnahmen. Decca setzte wenig später in Europa Maßstäbe bei Opernproduktionen mit der neuen Technik. Jahrzehnte garantierte das in diesen Jahren entwickelte Mikrofon-Modell, der Decca-Tree, der Firma technische überragende Einspielungen. Zwei berühmte Beispiele der jungen...
Antonio Vivaldis Oper über den illyrischen Bauernsohn Giustino, der 518 den oströmischen Kaiserthron bestieg, ist ein bühnenwirksames Spektakel, das nach zahlreichen kriegerischen Verwicklungen und erotischen Intrigen schließlich zu einem Happy End führt. Der Librettist plünderte ein älteres Textbuch (das Händel erneut benutzen sollte), der Komponist übernahm die...
