Hinhören, bitte!

Berthold Seligers emphatische Streitschrift gegen den marktkonformen Klassikbetrieb

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Im Hauptberuf ist Berthold Seliger Konzertagent. Seit drei Jahrzehnten. Sein Geld verdient er mit Künstlern wie Lou Reed, Patti Smith oder Rufus Wainwright. Nebenbei meldet sich Seliger gern und häufig als scharfzüngiger Kulturkritiker zu Wort, der in Aufsätzen und Büchern gegen die Monopolisierung des Musikgeschäfts oder das «gebührenfinanzierte Staatsfernsehen» zu Felde zieht. Immer pocht dabei ein denkendes Herz, das an die befreiende Kraft der Künste glaubt. So auch in seiner jüngsten Streitschrift über die Misere der «klassischen» Musik.


Für die Gegenwart sieht Seliger schwarz: Überalterung des Publikums, Verarmung des Repertoires, millionenschwere Prestigeprojekte für die Eliten (Stichwort «Elbphilharmonie»), der Verfall musikalischer Bildung – das sind die Themen, die er auf knapp 500 Seiten verhandelt. Das Ziel dieser mit Zitaten von Plato, Hegel, Schiller, Hölderlin, Adorno und anderer Geistesgrößen gespickten Tour d’Horizon: die Wiedergewinnung selbstbestimmten Hörens. Eines Hörens, das sich der Anstrengungen bewusst ist, die komplexe, «ernste» Werke einfordern. Wahre Kunst, daran lässt Seliger keinen Zweifel, ist nicht leicht zu konsumieren, sie macht Mühe, Arbeit. Ihr ...

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Opernwelt August 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Albrecht Thiemann

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