Galionsfigur des Crossover
Wenn es stimmt, dass hinter jedem kreativen Kopf das pralle Leben steht, dann ist der Stilpluralismus des Komponisten Osvaldo Golijov wohl vor allem das Ergebnis einer Vita am Schnittpunkt zahlreicher verschiedener Kulturen. 1960 als Kind jüdischer Einwanderer aus Osteuropa in Argentinien geboren, verbrachte Golijov einige Jahre in Israel, um – nach einem Intermezzo in Italien – 1986 in die USA zu ziehen, wo er unter anderem bei George Crumb und Oliver Knussen studierte.
Doch statt sich nur an seinen Lehrern zu orientieren, hörte er lieber auf die musikalischen Signale, die ihm unterwegs zwischen Okzident und Orient, zwischen Amerika und Europa begegneten. Zum Beispiel die Tangos Astor Piazzollas, uralte Synagogalgesänge oder die Gebetsrufe der Muezzins. Der Sexappeal von Son und Salsa, die Melancholie sardischer Lieder oder die polierte Oberfläche einer Popballade. Auch Bach und Berio, Mozart und Messiaen, der Kanon der klassischen Überlieferung. Golijov nahm sich aus dem flanierend entdeckten Fundus, was immer ihm gefiel – Motive, Rhythmen, Melodien – und begann irgendwann, sich seinen eigenen Notenreim auf die im Kopf gespeicherten Klänge zu machen. Indem er deren mentale Echos ...
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