Ex oriente lux
Zur Galionsfigur eines soziokulturellen Aufbruchs, wie sein Kollege Gustavo Dudamel, taugt der lettische Dirigent Andris Nelsons kaum. Kein fotogener Lockenkopf, kein schäumendes Temperament, kein kunterbuntes Jugendorchester, das sich politisch korrekt vermarkten ließe. Und auch keine mächtige Plattenfirma, die, flankiert von Promi-Mentoren wie Simon Rattle oder Claudio Abbado, mit volltönendem PR-Geklingel ein «Jahrhunderttalent» puscht.
Im Unterschied zu dem sechsundzwanzigjährigen Newcomer aus Venezuela, der bereits Verträge für Göteborg (ab sofort) und Los Angeles (ab 2009) in der Tasche hat, schickt sich der achtundzwanzig Jahre junge Balte gerade erst an, in eine globale Umlaufbahn durchzustarten.
Während der vergangenen sieben Jahre kümmerte sich Andris Nelsons vor allem um das Opernorchester seiner Heimatstadt Riga. Mit einundzwanzig stand er zum ers-ten Mal im Graben der Lettischen Nationaloper, mit vierundzwanzig kürte man ihn zum Generalmusikdirektor. Bevor er den Stab zur Hand nahm, hatte er in eben diesem Orchester Trompete gespielt. Ein Maestro, der aus der Mitte der Musiker kommt. Einer, der die Bedürfnisse und die Empfindlichkeiten, das Glück und den Druck eines ...
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Im Herbst 1822 besuchte Gioacchino Rossini, der eben an der Wiener Oper einen nicht da gewesenen Triumph gefeiert hatte, den von ihm seit Langem bewunderten Beethoven. Bei diesem einzigen Treffen der beiden einflussreichsten Komponisten ihrer Zeit gab Beethoven dem italienischen Maestro den später oft ihm nachgesprochenen Rat: «Ihr seid der Autor des ‹Barbier von...
Schluss jetzt, sagen die beiden leicht zerknitterten Herren auf dem Podium. «Es bleibt dabei, dies wird meine letzte Oper sein», meint der Ältere (82), der Jüngere (63) schließt sich an: «Das tue ich nicht mehr!» Und lächeln einander so verständnisinnig an, als könnten sie wirklich zurückblicken auf ein volles, rundes, von gemeinsamen Premieren gepflastertes...
Herr Herheim, in Ihren Inszenierungen thematisieren Sie gern die Rezeptionsgeschichte der Werke. Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der Regisseur Herheim selbst als letztes Glied in dieser Kette auf der Bühne auftauchen würde?
Nun, der Regisseur Herheim ist sich des etymologischen Ursprungs seines Berufes bewusst: Das lateinische «regere» bedeutet so viel wie...
