Extraordinär dekoriertes Mittelmaß: Uwe Eric Laufenbergs Bayreuther «Parsifal»-Inszenierung (2016), mit Georg Zeppenfeld (Gurnemanz), Klaus Florian Vogt (Parsifal), Elena Pankratova (Kundry) und Verführungspersonal; Foto: Karl Forster
Ewiger Anstoß
Wieder einmal steht das sogenannte «Regietheater» am Pranger. Etliche Neuproduktionen der vergangenen
Saison tauchen in unserer Umfrage als «Ärgernis des Jahres» auf. Aus sehr unterschiedlichen Gründen.
Dennoch stellen sich grundsätzliche Fragen: Haben wir es mit Irritationen zu tun, die auf eine Krise, gar Erschöpfung zeitgenössischer Regiekonzepte schließen lassen? Steckt die szenische Auseinandersetzung mit den Werken, zumal den vielgespielten, scheinbar ausgedeuteten Kassenschlagern, wirklich in der Wiederholungsfalle? Stoßen viele ins Heute transponierte Narrative und Bilder auf, weil sie als Varianten des
Immergleichen wahrgenommen werden? Anmerkungen eines erfahrenen Beobachters
Eine Frage, immer wieder aufs Neue gestellt: Wie alt ist die Marschallin denn nun wirklich? Die Autoren Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss stellten gerne klar: eine Frau von etwa 32 Jahren, lebensfroh und noch mancherlei Affären künftig gewärtig. Gleichwohl haben Dichter und Komponist in diese Rolle auch sehr auffällige Spuren von Altersreflexion und Vergänglichkeitsbewusstsein eingeschrieben. Wie die doch wohl eher mütterliche Freundin und Geliebte des blutjungen Octavian uns im ersten und ...
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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Streitfall Regietheater, Seite 36
von Hans-Klaus Jungheinrich
Sie kann in wenigen Tönen das vollständige Psychogramm eines Charakters zeichnen. Schmerzhaft schön, bestürzend klar. Ob an der Bayerischen Staatsoper als Maddalena in Giordanos «Andrea Chénier» und als Elisabeth in «Tannhäuser» oder als Sieglinde in der «Walküre» der Salzburger Osterfestspiele. Anja Harteros ist eine Künstlerin, die mit der Stimme Figuren neu zu...
Schon zu Lebzeiten stand er im Schatten Puccinis. Nicht, dass die Bühnenwerke des vor 150 Jahren, am 28. August 1867, in Süditalien geborenen Apothekersohns damals durchgefallen wären. Selbst heute kaum gespielte Opern, etwa «Siberia», des Komponisten Lieblingsstück, entfalteten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durchaus Wirkung. Auch weil sich mit der...
Das macht ihm vermutlich keiner nach – sowohl in Shakespeares Tragödie als auch in der «Lear»-Oper von Aribert Reimann den gebrochenen König zu verkörpern. Für Franz Mazura war das kein Problem. Seit über 60 Jahren ist der schauspielbegeisterte Bassbariton auf allen Brettern dieser Welt zu Hause. Und solange Körper
und Stimme mitspielen, wird Mazura auch weiterhin...
