Einführung mit Einfühlung
Auf dem Cover eine frech-barocke Heroine: Das lässt auf lebendigen Inhalt schließen – und die Erwartung erfüllt sich. Selten wird Wissen, oft auch Grundlagenwissen, zur Oper so farbenfroh dargeboten wie in diesem Taschenbuch.
Ein erster Abschnitt klärt Basisfragen: Aus was besteht Oper und wie ist sie gemacht? Ab dem zweiten Abschnitt geht es ins Detail: Welches sind die Teil-Künste, die sich im Laufe der Jahrhunderte wandelnden Erscheinungsformen, was sind die behandelten Stoffe, welches die Schwerpunkte, wer schuf die markantesten Werke? Über Fragen des Gesanges, der Bühnentechnik, der Rezeptionsgeschichte, des Organisatorischen, Finanziellen, Rechtlichen und Soziologischen wird auch dem Politischen genügend Raum gewährt, das mit dem Medium Oper seit den Anfängen um 1600 verbunden war. Aktuellste Regiekonzepte und mediale Hilfsmittel kommen ebenfalls zur Sprache, um die «alte Tante» Oper mit dem Heutigen zu verknüpfen.
Das ist ein gewaltiges Programm, und man fragt sich, wie dies in ein derart überschaubares Format passt. Oft sind die Fragen so formuliert, dass sie sich logisch nacheinander ergeben und themenübergreifend weiterführen. Der Stil ist kurzweilig, oft emotional ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Ulrich Drüner
Ich weiß nicht, wie viele «Opernwelt»-Leser auf Twitter aktiv sind, aber uns Sänger drängen die Agenten, karrierefördernd in den sozialen Netzwerken aktiv zu werden: Pseudo-Nahbarkeit im Sinne der Eigenwerbung. Ich selbst zwitschere auch. Meine Wortmeldungen sind entweder bewusster Unsinn oder Schüsse ins Lager der Trump-/Brexit-Fans, so oder so bleiben sie...
Der Mann, der sich Parsifal nennt, leidet an Realitätsverlust, was beim Patienten einer Nervenheilanstalt nicht überrascht. «Wie dünkt mich doch die Aue heut’ so schön», schwärmt er angesichts des jugendstilaffinen, aber kitschig-banalen Landschaftsbildes in Pastell, das da auf einen aus dem Schnürboden herabgefahrenen Hänger projiziert wird. Und der diensthabende...
Das Werk: ein Problemfall. Bereits sein Schöpfer ächzte 1814 zum Librettisten Treitschke hinüber: «Die Oper erwirbt mir die Märtyrerkrone.» Beethoven irrte nicht. Bis heute stellen sich Regisseuren viele Fragen: Wie den drei Fassungen und den vier Ouvertüren begegnen, den hölzernen Dialogen? Dem dramaturgischen Bruch zwischen Singspiel, heroischem Musikdrama und...
