Editorial August
Skylark hat Angst. Eigentlich sollte jetzt sein großer Auftritt stattfinden. Er sollte aufsteigen in den Himmel, Symbol des befreiten Individuums, alle Blicke auf sich ziehen – und nach oben. Doch Skylark dreht nur eine kleine Runde knapp über den Mönchsköpfen und bringt sich bei seinem Trainer in Sicherheit. Es ist Mitternacht. Skylark gehört als finale Pointe zum Stockhausen-Großprojekt der Musica Viva, aber nachts fliegen keine Raben. Also auch Skylark nicht. So bleibt es bei einer Andeutung dessen, was sein könnte, sollte, müsste in der Münchner Fußgängerzone.
Aber wir haben schon verstanden. Stockhausen, der große Guru, selbst einer von denen, die gern abheben, war alles andere als ein cooler Technikfreak. Er wollte in seinem «Licht»-Zyklus das ganze Leben porträtieren – Himmel und Erde, Seele und Körper, Glaube, Liebe, Hoffnung, Geburt und Tod. Mit Klavierclustern und Engelszungen, mit Bläserstürmen und Orchesterstimmen, mit einem Mönchschor, der singend, psalmodierend, stampfend, rasend Luzifers böse Geister vertreibt. Bis die Luft rein ist. Nicht nur für den Vogel. Doch auch ohne Skylark war er eine grandiose Erfahrung, dieser «Samstag aus Licht». Man muss sie eben nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann
Hindemiths Einakter-Triptychon sorgte in den Roaring Twenties für diverse Theater-Skandale, war dem Autor aber selbst bald so peinlich, dass er es aus dem Verkehr zog und schließlich 1958 ganz verbot. Heute findet es – zuletzt in Bonn (siehe OW 11/2012), jetzt in Osnabrück – als Manifest des musikalischen Expressionismus zu Recht Interesse, auch wenn seine...
Die amerikanische Ausgabe des Spoleto Festivals mit seinem bunten Mix aus Klassik und Jazz, Theater und Tanz wird seit 1977 in Charleston (South Carolina), der Partnerstadt des umbrischen Spoleto, ausgerichtet. In den vergangenen Jahren hat sich die Praxis etabliert, zwei Opernabende an jeweils unterschiedlichen Spielstätten zu präsentieren. Die Auswahl des...
Die Königin der Nacht: mochte sie nicht («Keine Chance, aus der Figur etwas zu machen», sagte sie unlustig im Vorfeld der Salzburger «Zauberflöte» von Achim Freyer im Jahr 1997). Blondchen: mochte sie auch nicht. Überhaupt: Es gebe sehr wenige Rollen für sie, mit ihrer kleinen Stimme. Und jetzt, mit 48, denkt sie ans Aufhören. Juliette? Lucia? Adina? «In meinem...
