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Martin Kusej und Nikolaus Harnoncourt überdehnen in Zürich Mozarts «Zauberflöte»

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Grotesk, wie Intendant Alexander Pereira in seiner Loge eks­tatisch mitdirigierte und stumm mitsang – den Mund weiter aufgesperrt als Tamino während der «Bildnis»-Arie. Lippen-Karaoke vom Chef indes konnte an diesem Abend nicht wettmachen, dass Martin Kusej an Mozarts komplizierten Einfachheiten viel anzumerken hatte. Und dass doch, wieder einmal, ein «Zauberflöten»-Wurf ausblieb.
Hundertfach ist die Mischung aus Freimaurer-Spuk und ägyptischem Souvenir, Aufklärungsdrang und musika­lischem Ringelspiel beschworen und prob­lematisiert worden.

Die Zeiten, in denen man wie Ingmar Bergman dem Märchenzauber noch trauen oder ihn wie Achim Freyer in eine Bastelwelt übersetzen konnte, sind dahin. Und kommen wohl auch nicht wieder. Dieselben Kritiker, die sich aus Anlass der Premiere in Zürich gerührt an die Geniestreiche von einst erinnerten, würden dergleichen heute konsequent verreißen.
Das bedeutet: «Die Zauberflöte», der notorische Kassenschlager, scheint in der Falle ihrer eigenen Rezeptionsgeschichte gefangen. Lebendig kommt man da kaum mehr heraus. So ließ selbst der Elan, mit dem sich Martin Kusej gegen gesammelte «Zauberflöten»-Klischees sperrte, im Zuge einer (mit drei Stunden zu) ...

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Opernwelt April 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
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