Der Eine
Geboren wurde Gottfried von Einem am 24. Januar 1918. Gestorben ist er offenbar nie. Jedenfalls begleitet ihn ein Buch seiner Ehefrau Lotte Ingrisch über den 12. Juli 1996 hinaus auf einer sehr vitalen, von spiritistischem Zinnober nicht freien «Jenseitsreise». Die Rolle eines Menschen, der aus der Zeit gefallen ist, spielte Einem gern. Auf einer Podiumsdiskussion in seinen letzten Jahren hatte er neben überaus offenen Statements wie immer auch verbale Attacken parat – ein physisch wuchtiger Mann mit dem eindrucksvollen Bart des Propheten.
Als sich niemand aus dem jungen, verschüchterten Publikum aufraffen wollte, die Fragerunde zu eröffnen, polterte er wieder: «Na los, fragen Sie doch was, wenn Sie schon mal so einen Dinosaurier vor sich haben!»
Gottfried von Einem legte Wert darauf, das Wort vom «Componisten» mit «C» zu schreiben. Er stammte aus höchsten Militär- und Adelskreisen. Sein Vater war General, die Mutter Baronin. Wie er selbst genüsslich erzählte, sei er aber bei einer Affaire seiner Mutter mit einem ungarischen Grafen entstanden, der später auf der Jagd von einem angeschossenen Löwen zerrissen wurde. Solche Kategorien liebte er. Mitunter auch die Rolle des Don ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Stephan Mösch
«Donizetti200» heißt das Projekt, das die zweite Ausgabe des neuen Vorzeigefestivals der Stadt Bergamo unter der gemeinschaftlichen Ägide des Künstlerischen Leiters Francesco Micheli und der Fondazione Donizetti ins Leben gerufen hat. Sein Konzept: Bis zum Jahr 2044 soll alljährlich eine Oper des Komponisten zur Aufführung gelangen. Ein ambitioniertes Unterfangen,...
Wer solche Untertanen hat, kann den Staatsapparat klein halten: Privatspitzel allüberall, fast an jeder Kanalecke. Und fürs besonders perfide Denunziantentum hielt das alte Venedig «Löwenmäuler» bereit, kunstfertig gestaltete Briefkästen, in denen die Beschuldigungen hinterlegt werden konnten, am besten mit Absender. Ganz prosaisch sind diese bocche di leone in...
Man wusste es. Und staunt dann doch. Erstmals widmet Philippe Jaroussky einem seiner erklärten Lieblingskomponisten ein ganzes Album. Auf der Bühne hat der französische Countertenor schon etliche Händel-Partien verkörpert, von Rinaldo und Serse über Ruggiero in «Alcina» bis zu Didymus im Oratorium «Teodora». Nun aber ist er – an der Spitze des von ihm selbst 2002...
