Bittere Farce
Die Vorstellung ist absurd: ein Opernhaus ohne Intendant, ohne Chefregisseur und ohne Musikchef. Führungslos, ratlos, ideenlos. Was eigentlich nur kühnste Fantasie zu ersinnen vermag, ist in der Pokrovsky Kammeroper demnächst Realität. Und wie es aussieht, wird das Moskauer Theater als solches nicht mehr existieren.
So ernüchternd die Zukunftsaussichten, so prosaisch waren auch die Anfänge. Boris Pokrovsky, Jahrgang 1912 und führender Opernregisseur in der Sowjetunion, war nach 25 Jahren regen Tuns und rund 180 Inszenierungen erschöpft.
Als man ihm 1971 vorschlug, eine kleine Operntruppe, die mit mehr oder minder zusammengeschusterten Stücken durch die Provinz tingelte, zu übernehmen, beschloss er, es mit Rodion Schtschedrins «Nicht nur Liebe» zu versuchen, einem Stück, in dem auf folkloristischem Hintergrund eine neue musikalische Gattung vom Typ «russischer Strawinsky» entstand, in scharfer Abgrenzung zur akademischen Normalität.
Der Abend wurde ungeachtet des zeitgenössischen Inhalts (den schätzte das Opernpublikum in der UdSSR nicht sonderlich) ein Riesenerfolg. Das Theater zog neue Zuschauer an – und festigte seinen Ruf mit einer Aufführung von Dmitri Bortnjanskis «Der ...
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Wer ist dieser Blaubart mit seinen sieben verschlossenen Türen, seinen blutbesudelten Waffen und seinen untoten Ex-Frauen? Ein Psychopath oder ein ganz normaler Typ? Trägt Judith an allem die Schuld, weil sie zu viele Fragen stellt? Sind wir gar alle ein bisschen Blaubart? Mit Janáćeks «Schlauem Füchslein», seiner ersten abendfüllenden Operninszenierung an La...
Vom «Ende einer Ära» ist mehr oder weniger reflexhaft die Rede beim Tod einer epochalen Figur. Doch im Fall nicht weniger Musiker aus der Sowjetunion hat die Formel ihren Sinn. Brachte doch die Oktoberrevolution tatsächlich einen enormen Aufbruch in vielerlei Hinsicht; man denke nur an den Stummfilm, vor allem Eisensteins. Und in der Musik fand eine immer wieder...
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
