Bissiger Charme
Wenn das Ensemble Modern sich Kurt Weill zuwendet, ist der komponierende Dirigent und Chansonnier HK Gruber nicht weit. Unvergessen bleibt seine rotzig-schrille Einspielung der «Dreigroschenoper», mit einer rockröhrenden Nina Hagen als Mrs. Peachum, einem schmierig säuselnden Max Raabe als Macheath und Gruber himself in der Rolle des Peachum. Zwei Jahrzehnte sind verstrichen, seit diese CD mit ätzender Chuzpe alle Unkenrufe Lügen strafte, dass die Zeit für die antikapitalistische Leviten-Leserei des armen B.B. abgelaufen, der Spottwert des Stücks unrettbar weggerostet sei.
Bissig, lust- und schwungvoll, dabei stets reflektiert wurde da der größte Erfolg des Teams Brecht/Weill aus dem Jahr 1928 in die alternativlos markthörige Gegenwart der wiedervereinten Republik geholt.
Zum 40-jährigen Gründungsjubiläum des selbstverwalteten Klangkörpers haben uns die Musiker nun erneut ein Weill-Programm beschert, das mit einer luftig-federnden, durchweg zündenden Wiedergabe der «Kleinen Dreigroschenmusik für Blasorchester» (1928) an die frühe Liebe zu Mackie Messer & Co. anknüpft. Das Hauptwerk der neuen Einspielung ist das 1927 in Baden-Baden uraufgeführte «Mahagonny Songspiel» – jenes ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Albrecht Thiemann
Dass die Archive der BBC noch viele vergessene Schätze bergen, erweist sich ein weiteres Mal mit der Veröffentlichung von Aufnahmen der Weber’schen «Euryanthe» (1955) und Mozarts «Le nozze di Figaro» (1961). Die Aufzeichnung von Carl Maria von Webers romantischer Oper – der Musik wegen heiß geliebt, des abstrusen Librettos wegen kaum auf der Bühne zu erleben – war...
Frau Mattila, ist es Ihnen während einer «Lohengrin»-Vorstellung schon mal passiert, dass Sie die Elsa mitsingen wollten?
Nein, aber ich genieße die Szenen mit ihr, weil sie sich nun so anders anfühlen! Schöne Erinnerungen steigen da in mir auf. Ich mochte die Elsa sehr gern, als ich sie noch sang – allerdings wollte ich immer Ortrud sein. Ein spannender Charakter,...
Ich sind viele. Eine Binse eigentlich. Kein Mensch lässt sich auf den Einen, die Eine, das Eine verrechnen. Das Selbst ist ein fluides Kompositum, labile Schnittmenge verschiedener Einflüsse und Prägungen: Genetik und Gesellschaft, Biologie und Kultur, Gegenwart und Geschichte fließen da, oft unentwirrbar, als formierende Faktoren zusammen. Doch nicht selten...
