Becircen mit Bildern und Worten

Die Sopranistin Dorothee Mields spricht Barock wie eine Muttersprache

Opernwelt - Logo

Dorothee Mields hat einen Vogel! Oder besser: Eine ganze Voliere voll geflügelter Schnabelwesen scheint ihr zu Gebote zu stehen. Auf ihrem Album «Birds» produziert sie einen Teil des Schwarms allein vokal, den anderen evoziert Stefan Temmingh mit den verschiedensten Blockflöten. Da zwitschert, gurrt, lockt, seufzt, flötet und gluckt es so munter, dass selbst der barocke Dichter und feinsinnige Naturbeobachter Barthold Hinrich Brockes seine Lust an dem virtuosen Doppelspiel gehabt hätte.

Dabei macht das wortlose Becircen, in dem sich Mields – die man wegen ihres zarten, aber ausdrucksvollen Timbres auch die deutsche Emma Kirkby nennt – hier übt, nur einen Teil ihres Könnens aus. Nicht weniger bedeutsam als die lässige Beherrschung der Verzierungskunst ist ihre Vertrautheit mit der barocken Sprache.

Besonders gut kommt diese seltene Sensibilität im zweiten neuen Album zum Ausdruck, das sie jüngst vorgelegt hat: An den darauf eingespielten Bach-Kantaten für Solosopran haben in der Regel selbst Interpreten, die deren Texte nicht grundsätzlich für minderwertig halten, zu knabbern. Gilt es schon in der von Christian Friedrich Hunold verfassten wortreichen Kantate «Ich bin in mir ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Carsten Niemann

Weitere Beiträge
GEREIFT: Janáceks «Jenufa» aus der Deutschen Oper Berlin

Nicht alles, was auf den ersten Blick glänzt, ist von bleibendem Wert. Und nicht alles, was zunächst trübe wirkt, bleibt dauerhaft im Schatten. Als die Deutsche Oper Berlin 2012 «Jenufa» herausbrachte, überwogen gemischte Gefühle (siehe OW 4/2012). Dirk Beckers aseptisch leerer Weißraum, in dem Christof Loy die Tragödie ganz aus dem inneren Drama der Küsterin...

Krachblechern

Wolfram Koch stakst donquichotesk einher. Er führt seine allenthalben klappernde, raschelnde und knirschende Rüstung spazieren. Stapft und torkelt, stolpert und kriecht – ein krachblecherner König Artus, der England wider die eingefallenen Sachsen verteidigt und deren König Oswald obendrein die schöne, blinde Emmeline wieder ­abspenstig macht. Aber sie liebt ja...

Rollendebüt

Sechzehn Tage Vorlauf für ein Rollendebüt: Das braucht Mumm. Den bewies Roberto Alagna, als er jetzt an der Metropolitan Opera als Des Grieux einsprang. Jonas Kaufmann hatte sich zur Wiederaufnahme von Richard Eyres fragwürdiger «Nazi meets film noir»-Version der «Manon Lescaut» krankgemeldet. Alagna glückte trotz eines trockenen Vibratos und hörbarer Anstrengung...