Aufrichtig und edel

Günther Groissböcks Recital «Herz-Tod» mit Liedern von Brahms, Wagner, Wolf und Mahler

Opernwelt - Logo

Das Schlagwort vom Gender-Mainstreaming geht heftig um, seit es vor mehr als zwei Jahrzehnten bei der UN-Weltfrauenkonferenz erstmals auf der Tagesordnung stand. Und 140 Lehrstühle für Gender-Fragen gibt es allein in Deutschland. Da werden sich manche fragen, ob es denn noch (gender-)gerecht sei, wenn ein Mann einen Bereich annektiert, der a priori eindeutig einer Frau zugewiesen war.

Die Rede ist von Richard Wagners unmissverständlich der geliebten Zürcher Seelenfreundin Mathilde Wesendonck gewidmeten, von ihr getexteten und im Gestus durchaus als «sehr weiblich» zu bezeichnendem Zyklus. Und davon, dass der Bass Günther Groissböck – Bayreuths Wotan ab dem übernächsten Jahr –, dessen Stimme ein Klang gewordenes Manifest ultimativer Männlichkeit ist, sich die fünf Lieder in seinem neuen Recital einzuverleiben sucht.

Im Booklet rechtfertigt Groissböck sich: Er habe nirgendwo im Text eine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, vielmehr hätte die Klangsprache der Wesendonck-Lieder ihn immer schon fasziniert, da sie der «Tristan»-Welt so nahe sei. Warum also nicht, zumal Groissböck längst auch als König Marke auf den Weltbühnen an der Unendlichkeit jener «Tristan»-Musik ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Heiße Bilder, kühles Feuer

Salzburg

Salzburg schwitzte. Aber die Reise zu den diesjährigen Sommerfestspielen lohnte sich: der bildmäch­tigen Regiehandschriften wegen und auch, weil Dirigenten von Format am Werke waren. In der Felsenreitschule korrespondierten Romeo Castelluccis heiße «Salome»-Bilder mit dem kühl-analytischen Feuerstrom, den Franz Welser-Möst entfachte; im Großen...

Impressum September/Oktober 2018

59. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752315

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@ope...

Gratwanderung

Der 19. August 1945 war für Leo Borchard ein besonderes Datum. Und das lag nicht nur daran, dass er an diesem Tag im Titania-Palast an der Spitze «seiner» Berliner Philharmoniker stand, sondern, weit mehr noch, am Programm des Konzertabends. Vor der Pause dirigierte Borchard Beethovens Erste und Strauss’ «Don Juan», im zweiten Teil lag die Partitur eines seiner...