Auf und ab, vor und zurück

Es gibt sie: die Opernzentren jenseits der Zentren, in denen man Dinge sehen und hören kann, die es sonst nirgends gibt, die trotz ihrer Randlage viele Besucher anziehen und oft ganze Regionen kulturell aufwerten. Im Focusteil dieses Heftes berichten wir in diesem Sinn von der Opera North im englischen Leeds, aus Wexford im Süden Irlands und aus den französischen Opernstädten Lyon und Toulouse. Zu den großen Erfolgsproduktionen dieses Monats gehören Puccinis «Manon Lescaut», vielschichtig inszeniert von Stefan Herheim und dirigiert von Michael Boder in Graz, und Bergs «Lulu», die in Brüssel von Krzysztof Warlikowski als Bildersturm entfesselt wurde – mit einer starken Barbara Hannigan in der Titelpartie. Die ganz auf Erfolg und große Wirkung angelegte Uraufführung von «Babylon» an der Bayerischen Staatsoper hinterließ dagegen gemischte Eindrücke: Peter Sloterdijk geriert sich als Poet und auch Jörg Widmann sorgt mit allen Kunstmitteln für geballte Bedeutung. Mehr auf den folgenden Seiten.

Opernwelt - Logo

Eine Bürgeroper sollte es werden, damals, als Charlottenburg noch ein Vorort von Berlin war. Finanziert wurde sie privat als Aktiengesellschaft. Heinrich Seeling, der lokale Baustadtrat, entwarf das Gebäude an der Bismarckstraße als Gegenpol zur königlichen Staatsoper Unter den Linden. Größer, lockerer und im Klassizismus gebremst, war es gedacht für alle, die von Oper mehr wollten als Repräsentation. Zur Eröffnung 1912 gab es Beethovens «Fidelio»-Jubel, an Sonn- und Feiertagen wurde zweimal gespielt.

Puccini reiste zur deutschen Erstaufführung seines «Mädchen aus dem Goldenen Westen» an. Im Taumel der 1920er-Jahre konnte sich das Finanzmodell nicht halten. Die Stadt sprang ein, und «Groß-Berlin», zu dem nun auch Charlottenburg gehörte, leistete sich eine «Städtische Oper».

Sie hat ihren Namen und ihre Identität seitdem mehrfach geändert. Unter Goebbels wurde sie, mit eingebauter Führerloge, als «Deutsches Opernhaus» auf Parteilinie gebracht. Wie der damalige Intendant und Hans-Sachs-Darsteller Wilhelm Rode auf der Festwiese der «Meistersinger» mehrfach die Hand zum Hitlergruß reckt, das ist auf Filmschnipseln erhalten, und der Regisseur Enrique Sánchez Lansch hat es sich in seiner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Infos

Jubilare

An Selbstbewusstsein hat es Sumi Jo nie gemangelt. Auf ihrer Website posiert die 1962 in Seoul geborene und dort ausgebildete Sopranistin als Luxusgeschöpf vor einem Privatjet. Als 24-Jährige gab sie – nach weiterem Unterricht an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom – als Gilda in Verdis «Rigoletto» ihr Debüt auf der Opernbühne. Seitdem gastiert...

Gefährdetes Glück

«Meine Frau befiehlt: Rosenkavalier. Also Rosenkavalier! Der Teufel hol ihn», ächzte Ri­chard Strauss in einem Brief vom Mai 1910. Eine neue Oper hatte er in der Mache, aber noch keinen Titel. Wie gut, dass Pauline ihm energisch zuredete.

Dieser «Rosenkavalier» kam 2009 in einer wahren Luxus-Besetzung in Baden-Baden (vgl. OW 3/2009) auf die Bühne (nach der alten...

Eine Ära

Ein Psychodrama von großer Brisanz, ausgefochten von drei hochkarätigen Protagonistinnen – so bietet sich die neue Lübecker «Elektra» dar. Der Ort: ein Kellerraum im Hause Agamemnon, unwirtlich, karg möbliert (Ausstattung: Hartmut Schörghofer). Hierhin hat sich Elektra zurückgezogen und die Tür vermauert, für Chrysothemis und Klytämnestra erreichbar nur durch eine...