Alles Theater

Freiburg: Cilea: Adriana Lecouvreur

Opernwelt - Logo

Francesco Cilea – ein Westentaschen-Puccini, der’s in seiner «Adriana Lecouvreur» immer wieder mal krachen lässt? Weit gefehlt. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck in der Freiburger Wiedergabe der 108 Jahre alten Comédie-Française-Schmonzette auf, die zum 100-Jährigen des Hauses anberaumt wurde. Im Breisgau wird das Leise bei Cilea kultiviert, der zarte, innige, der wehe, verwehende Ton.

Der Kapellmeister Johannes Knapp, der seinen erkrankten Chef Fabrice Bollon bereits in der Premiere vertrat, und das Freiburger Philharmonische Orchester tauchen immer wieder in jene mitunter unwirklichen Pianissimo-Bezirke ab, die sich bei Adrianas Auftritten wie verhauchende Klangwolken über die Szene legen. Wenn die Titelheldin am Duft des vergifteten Veilchenstraußes dahinstirbt, bescheren sie der Aufführung schwebend-leichte Verklärungsnuancen.

Ein Glücksfall, dass der Vokalpart den instrumentalen optimal ergänzt. Rossella Ragatzu ist nach ihrer Tosca, ihrer Amelia nun Adriana, die legendäre Schauspielerin im Paris des beginnenden 18. Jahrhunderts, der ihre fürstliche Erotik-Konkurrentin zu einem der absonderlichsten Operntode verhilft. Und sie ist genau die zur dramatischen Aufwallung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Bunte Höllenfahrt

Dmitri Schostakowitschs Frühwerk «Die Nase» – eine Oper nur für große Häuser? Der 1930 uraufgeführte Dreiakter vereint mehr als 80 (meist kurze) Solorollen und bis zu zehn Schlagzeuger im Graben. «Die Nase» ist eine jener Orchideen im Spielplan, die bei ihrem seltenen Erblühen von Kritik und Publikum meist das Siegel «Warum spielt man das nicht öfter?» erhalten....

Grandiose Schauer

Das Bonner Opernhaus hat Franz Schrekers «Irrelohe» ausgegraben und damit ein Schlüsselwerk der Moderne neu entdeckt. In der Nazizeit wurden die Opern des Halbjuden Schreker als «entartet» gebrandmarkt, und so verschwand auch das Stück mit dem schauderhaft schönen Titel in der Versenkung. Von der Renaissance der Schreker-Opern seit den achtziger Jahren profitierte...

Gemogelt wird nicht

Der erste Eindruck, der sich im Verlauf der ungeheuerlichen, mit paramusikalischen Klängen unterlegten Sturmszene einstellt: dass der 82-jährige Colin Davis im Dezember 2009 mit dem London Symphony Orchestra wohl – gefühlte Zeit – die «schnellste» Aufführung von Verdis «Otello» geleitet hat. Sie hat einen ähnlichen rhythmischen Drive wie die legendäre Aufführung...