Emotionales Multitasking
Tatjana Winter (Ursina Lardi) heißt so, weil sie der Tatjana aus Puschkins «Eugen Onegin» nachgebildet ist, insbesondere Tschaikowskis Opern-Version; denn ihre Mutter (Borjana Mateewa) ist wiederum von Beruf Opern-Sängerin und muss als so eine Art prekäre Zweitbesetzung um den ganzen Globus jetten, um sich immer wieder als Zweitbesetzung bereit zu halten. Manchmal gibt sie in Falk Richters «For the Disconnected Child» Kostproben ihres Könnens, indem sie dann auch Arien aus «Eugen Onegin» singt.
Tatjana versucht, mit ihrer Mutter zu telefonieren, aber «die Verbindung ist so schlecht». So heißt es immer wieder.
Offensichtlich eine Metapher für das schon im Titel des Stücks anklingende Motiv des Problems der «Connection». Telefon-Verbindung als Bild für Verbindung ist natürlich, sagen wir, etwas dürftig. Vor allem dann, wenn man sich zu allerlei Gegenwartsdiagnosen aufschwingen will und den hier geschilderten Liebeskummer der geschiedenen Akademikerin, die weder persönlich im Internet noch über digitale Partnervermittlung den Richtigen findet, zur Gesellschaftskritik updaten will. Dann muss das Problem zwischen Mutter und Tocher schon über Skype zustande kommen.
Damit wäre das Niveau ...
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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Diedrich Diederichsen
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