Weltuntergang mit Poesie

Mit „Vampire’s Mountain“ zeigt Philippe Quesne, bekannt für sein skurril-fantastisches Bildertheater, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg melancholisch und gleichzeitig humorvoll die Welt nach dem Untergang der Menschheit. Und das mit einer Leichtigkeit und Poesie, zu der auch Licht, Ton sowie drei Prospekte nicht unwesentlich beitragen

Bühnentechnische Rundschau - Logo

In vielen Stücken gehe ich von Bildern aus und versuche erst im Laufe der Arbeit herauszufinden, welche Texte hineinpassen“, erklärt Regisseur Philippe Quesne im Programmheft zu „Vampire’s Mountain“ sein Vorgehen. Meist komme sehr wenig Text vor, stattdessen haben Bild, Musik, Sound, Licht und Sprache eine gleiche Wertigkeit, so auch bei „Vampire’s Mountain“. In dem Stück geht es um eine Gruppe von sieben freundlichen Vampiren, die sich mit den Überresten der verschwundenen Menschheit ihre Zeit vertreiben – und damit zeigen, wie sie sich selbst vernichtet hat.

Zu Beginn kommen diese Untoten in einem dunklen Wald aus einem Loch im Bühnenboden gekrabbelt. Sie führen sich mit viel Spaß und Hallo vor, wie sie einst mit unterschiedlichsten Mitteln (Sarg, Licht, Nebel etc.) die Leute erschreckten, dann tanzen sie und trinken Blut aus menschlichen Beinstümpfen. Der fast bühnenfüllende Waldprospekt fährt hoch und eine ebenso große Leinwand zeigt ein verschneites Gebirge wie von Caspar David Friedrich gemalt. Ehrfürchtig betrachten die Vampire das Bergpanorama und stellen mit nahezu kindlicher Freude fest, dass die Bergspitzen aussehen wie ihre Zähne. Sie gelangen zu einer ehemaligen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

BTR Ausgabe 1 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 30
von Julia Röseler

Weitere Beiträge
Für eine neue Ewigkeit

Als die Bilder vom neuen Grand Egyptian Museum nahe Kairo und den Pyramiden von Gizeh um die Welt gingen, war mein erster Impuls: „Nichts wie hin!“ Bereits seit Jugendzeiten hatte die erste Lektüre von „Götter, Gräber und Gelehrte“ des Forschers C. W. Ceram mein Interesse für den jung gestorbenen Pharao Tutanchamun geweckt, dessen mehr als 3000 Jahre alte...

„So weit sind wir doch schon“

Warum soll das gut funktionierende Sicherheitskonzept der Veranstaltungsbranche überhaupt verändert werden? Geplant ist, die maschinentechnischen Arbeitsmittel der Veranstaltungstechnik in die überwachungsbedürftigen Anlagen zu überführen. Gemeint ist hiermit eine besondere Kategorie von Anlagen, die ein sehr hohes Gefährdungspotenzial aufweisen und somit aus Sicht...

Ein Klassiker wird zukunftssicher

Das Schauspielhaus Bochum ist seit mehr als hundert Jahren eine der führenden Spielstätten für zeitgenössisches Theater und darstellende Kunst im deutschsprachigen Raum. Unter Intendant Johan Simons versteht es sich als Stadttheater für das 21. Jahrhundert, das Künstlern aus unterschiedlichen Nationen und Disziplinen eine kreative Heimat bietet. Für sein...