Ziegel, Sperrholz, Kletterrosen
Auf der Bühne kommt Sopranistin Ailish Tynan jetzt so richtig in Fahrt. Wogendes Wallekleid, vokale Sehnsuchtsseufzer. „Und ach! Sein Kuss!“, schmachtet sie gerade, da klingelt ein Handy. Die Musik bricht ab. Intendantin Wasfi Kani, am Laptop auf der Seitenbühne, blickt ärgerlich auf. Am Flügel guckt Iain Burnside erschrocken und wühlt wie wild in seinen Taschen. Tynan lacht. „Einfach gleich noch mal“, ruft die Irin, „das kriegen wir sowieso noch besser hin!“ Die Intendantin kehrt zurück zu ihren E-Mails.
Der Pianist lässt am Flügel erneut die Tongirlanden perlen, die in Schuberts „Gretchen“-Lied das kreisende Spinnrad mimen. Tynan verwandelt sich umstandslos wieder in ihre Goethe-Figur: „Meine Ruh’ ist hin, mein Herz ist schwer …“. Und der Saal? Der Saal ist leer. Ein Publikum haben die Künstler nicht. Sie sind für Filmaufnahmen im Theatre in the Woods – Grange Park Opera wird sie später im Monat im Netz herausbringen. Die beiden letzten Nummern des Recitals warten mit einem Echo der Coronakrise auf: Erst stellt sich in Muriel Herberts „Hips and Haws“ das lyrische Ich auf einen harten Winter ein, dann träumt in „Si, mi chiamano Mimì“ aus Puccinis „La Bohème“ die Protagonistin von ...
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BTR Ausgabe 1 2021
Rubrik: Bau und Betrieb, Seite 58
von Wiebke Roloff Halsey
Kürzungen in München
Im Dezember wurde bekannt, dass im Jahr 2021 jedes Referat der Stadt München 6,5 Prozent vom eigentlich geplanten Etat einsparen müsse. Für die Kultur mit einem Gesamthaushalt von etwa 3,5 Prozent wäre ein Budget von 251 Millionen Euro vorgesehen gewesen. Nun dürfen 15 Millionen Euro weniger ausgegeben werden, 11,45 Millionen weniger...
Seit fünf Jahren unterrichte ich im Lichtdesign-Studio der Janáček-Akademie für darstellende Künste (JAMU) in Brünn. Unser Fach bietet einen Master-Abschluss, das Studium dauert also zwei Jahre. Dabei ändert sich unsere Vorstellung über die „idealen“ Studierenden ständig, vor allem, was die Schulen angeht, von denen sie zu uns kommen sollten. Bei unserer ersten...
Wir treffen uns zu diesem Gespräch am 16. November 2020 um 18:30 Uhr: In viereinhalb Stunden beginnt in Wien der „Lockdown heavy 2“. Vor 14 Tagen begann um 00:00 Uhr der „Lockdown light“. Kurz zuvor geschah das Attentat im 1. Bezirk, das Wien und die Welt aufrüttelte – denn hier hatte es viele Jahre lang keinen Terroranschlag mehr gegeben.
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