Kein unbeschriebenes Blatt

Ein japanisches Rollbild, achtlos ins Wasser geworfen, das ist die Grundidee für das Bühnenbild für „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini bei den Bregenzer Festspielen 2022. Es war eine Herausforderung, bei einer 300 Tonnen schweren Konstruktion, die zwei Jahre lang jeder Witterung ausgesetzt ist, Leichtigkeit zu suggerieren und ihr mit Licht und Videomapping Leben einzuhauchen

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Als im Jahr 2019 in Bregenz die Bewegungsabläufe für den Kopf und die Hände der „Rigoletto“-Marionette programmiert wurden, liefen bereits im Hintergrund die Vorbereitungen für das nächste Spektakel: Auf Wunsch der Intendantin Elisabeth Sobotka sollte „Madame Butterfly“ gespielt werden und für das Publikum der Seebühne wieder ganz andere, neue Anreize bieten.

Während Philipp Stölzl mit Bewegung auf Giuseppe Verdis starke Rhythmen geantwortet hat, folgt Andreas Homoki der elegischen Struktur, der empfindsamen Melodik und den eindrucksvollen Emotionen, die durch einen Clash of Cultures, einem Aufeinanderprallen von Welten und deren Werte, erklärt werden. Bei der Uraufführung im Jahr 1904 war die Handlung der Oper hochaktuell, und sie hat bis heute nichts an ihrer politischen Brisanz verloren: An einzelnen Figuren, besonders an der tragischen Gestalt der Protagonistin Cio-Cio-San, genannt „Madame Butterfly“, werden die kulturellen Missverständnisse und Ausbeutungsmechanismen des Imperialismus sichtbar gemacht und dramatisch in Szene gesetzt. Die Spiegelung in der Musik und in der Handlung wird durch die Dominanz der Seebühne noch verstärkt. Sie ist mit ihren Elementargewalten von ...

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BTR 5 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 18
von Eva Maria Fischer

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