Kein unbeschriebenes Blatt
Als im Jahr 2019 in Bregenz die Bewegungsabläufe für den Kopf und die Hände der „Rigoletto“-Marionette programmiert wurden, liefen bereits im Hintergrund die Vorbereitungen für das nächste Spektakel: Auf Wunsch der Intendantin Elisabeth Sobotka sollte „Madame Butterfly“ gespielt werden und für das Publikum der Seebühne wieder ganz andere, neue Anreize bieten.
Während Philipp Stölzl mit Bewegung auf Giuseppe Verdis starke Rhythmen geantwortet hat, folgt Andreas Homoki der elegischen Struktur, der empfindsamen Melodik und den eindrucksvollen Emotionen, die durch einen Clash of Cultures, einem Aufeinanderprallen von Welten und deren Werte, erklärt werden. Bei der Uraufführung im Jahr 1904 war die Handlung der Oper hochaktuell, und sie hat bis heute nichts an ihrer politischen Brisanz verloren: An einzelnen Figuren, besonders an der tragischen Gestalt der Protagonistin Cio-Cio-San, genannt „Madame Butterfly“, werden die kulturellen Missverständnisse und Ausbeutungsmechanismen des Imperialismus sichtbar gemacht und dramatisch in Szene gesetzt. Die Spiegelung in der Musik und in der Handlung wird durch die Dominanz der Seebühne noch verstärkt. Sie ist mit ihren Elementargewalten von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
BTR 5 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 18
von Eva Maria Fischer
Uraufführung in der Semperoper Dresden
Zum ersten Mal in der Musikgeschichte performte Künstliche Intelligenz (KI) auf einer Opernbühne mit den Künstler:innen in unterschiedlichen Funktionen vor Livepublikum. „Chasing waterfalls“ ist ein Uraufführungsprojekt des Künstlerkollektivs phase7 performing.arts Berlin und der Semperoper Dresden – eine musiktheatrale...
Am Thema Energiesparen kommt in diesen Wochen und Monaten niemand vorbei. Daher hat die DTHG bereits im August die Energie-AG etabliert, ein regelmäßiges Zoom-Treffen – für einen Erfahrungsaustausch, zum Diskutieren und zur gegenseitigen Unterstützung. Das Interesse daran war bisher enorm, an den ersten Online-Meetings haben sich mehr als 100 Interessierte...
An der legendären Spielstätte im Wehlgrund, von hoch aufragenden Sandsteinfelsen schützend umstellt, wirkt die Welt auf den ersten Blick fern. Nichts scheint die Idylle in der Kernzone des Nationalparks zu stören. Selbst Hochsommertage sind erträglich, fallen die Schatten doch länger als im urbanen Raum, wo die Kultur gewöhnlich zu Hause ist. In Theaterbauten wird...
