Die Schwester der Sorge

Je höher das Sicherheitsniveau, desto größer sei die Angst vor seiner Unterschreitung, stellt unser Autor fest, die Sicher- heitsindustrie würde das Arbeiten verhindern. Ein Kommentar zur geplanten Einstufung maschinentechnischer Arbeitsmittel in Theatern als „überwachungsbedürftige Anlagen“

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Goethes Verse aus „Faust II“ lesen sich teilweise wie eine poetische Beschreibung unserer heutigen Sicherheitswirklichkeit. Denn: Was als Fürsorge begann, ist zur Pathologie geworden. Die Sicherheit ist die Schwester der Sorge – und gemeinsam haben sie ein Bollwerk gebaut, in dem nicht mehr gearbeitet, sondern nur noch bilanziert und bewertet wird:

„Wen ich einmal mir besitze,
Dem ist alle Welt nichts nütze.
Ewiges Düstre steigt herunter,
Sonne geht nicht auf noch unter.


Bei vollkommnen äußern Sinnen
Wohnen Finsternisse drinnen.
Und er weiß von allen Schätzen
Sich nicht in Besitz zu setzen.
Glück und Unglück wird zur Grille,
Er verhungert in der Fülle,
Sey es Wonne, sey es Plage,
Schiebt er’s zu dem andern Tage,
Ist der Zukunft nur gewärtig,
Und so wird er niemals fertig.“

Wir leben im goldenen Zeitalter der präventiven Blockade. Nicht, weil die Welt gefährlicher geworden wäre, sondern weil sich eine ganze Industrie darauf spezialisiert hat, aus hypothetischen Risiken reale Hindernisse zu konstruieren. TÜV, DIN, Unfallversicherer, Sachverständige, Prüfinstitutionen – sie alle leben nicht von dem, was ist, sondern von dem, was sein könnte. Ihre Währung ist die Sorge. Und ihr ...

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BTR Ausgabe 5 2025
Rubrik: Bau und Betrieb, Seite 64
von Wesko Rohde

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