Begegnung mit einer anderen Theaterwelt
Er ließ Schauspieler schreiten wie Tänzer und sprach mit Licht, als wäre es eine eigene Figur. Robert Wilson, einer der prägenden Theaterkünstler unserer Zeit, war für viele der Meister der Langsamkeit, des Raums und der Komposition. Für mich ist er vor allem verbunden mit einer sehr persönlichen und für die Zeit ungewöhnlichen Erinnerung. Ein Jahr nach meiner Ausreise aus dem Osten im Frühjahr 1989 fand ich schnell eine Anstellung und arbeitete als Bühnentechniker am Schauspiel Frankfurt, denn Berufspraxis hatte ich schon am Theater Nordhausen gesammelt.
Eines Tages bekam ich die Aufgabe, bei den Proben von „König Lear“ einen von vielen Vorhängen – eigentlich Fahrwänden – zu ziehen. Ich ahnte nicht, dass mich diese Produktion schwer beeindrucken würde, vor allem wegen des freundlichen Texaners. Schon die ersten Proben waren eine Offenbarung. Wilson inszenierte in einer Ästhetik, die ich noch nie erlebt hatte: Bewegungen wie Ballett, Sprache wie Musik, jeder Schritt, jede Geste präzise gesetzt. Die Langsamkeit war kein Mangel an Tempo, sondern eine eigene Kunstform. In der Titelrolle stand die hochbetagte Marianne Hoppe, eine der großen Theaterlegenden. An ihrer Seite Christoph ...
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BTR Ausgabe 5 2025
Rubrik: Foyer, Seite 6
von Wesko Rohde
Der Kulturverein Jazzclub Karlsruhe hat sich seit seiner Gründung in den 1960er-Jahren als feste Größe in der deutschen Kulturlandschaft etabliert. Mit Auftritten von Größen wie Albert Mangelsdorff und Dexter Gordon hat sich der Club einen festen Platz in der Jazzlandschaft erarbeitet und bleibt bis heute eine bedeutende Plattform für Jazz in seinen vielfältigen...
Sophie Diesselhorst: Benjamin Schultz, Sie stehen als Sounddesigner in der Besetzungsliste von Benedikt von Peters Inszenierung „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ an der Deutschen Oper Berlin. Was genau waren Ihre Aufgaben in dieser aufwendigen Produktion, in der das ganze Operngebäude bespielt wurde?
Benjamin Schultz: Ich war natürlich in erster Linie dafür...
Samstagabend in Ulm: Aufgeregte Grüppchen in Schlaghosen und Glitzerröcken gehen zu den Shuttle-Bussen zur Wilhelmsburg. Trotz des bedeckten Himmels tragen sie überdimensionale Sonnenbrillen im Stil der 1970er-Jahre. Kein Zweifel, die Jugendlichen haben sich für das Musical „Saturday Night Fever“ in Schale geworfen, um die Disco-Ära wieder aufleben zu lassen.
Weltb...
