Foto: Estelle Valente/Teatro São Luiz
Marco da Silva Ferreira
Still und leise, sanft und diskret hat er sich in die internationale Szene vorgearbeitet. Überraschende Eigenschaften, besonders wenn man sich anschaut, was der Portugiese Jahrgang 1986 so auf der Bühne anstellt.
Sein Stück «Brother» (2017) beispielsweise kann man auf zwei Ebenen lesen: einmal, oberflächlich und spontan betrachtet, als Patchwork mit Bezügen, die von Urban Dance bis Christian Rizzo reichen; dann aber auch als quasi live choreografiertes, dichtes und strategisch nachgerade perverses Body-DJ‘ing, so man den Tanz tatsächlich noch als konkretes Material und nicht als flüchtige Metapher versteht. Die sechs Tänzer treten maskiert und buchstäblich mit offenen Armen auf, so als lüden sie die Zuschauer auf die Bühne ein. Der satirische Ausdruck auf ihren Gesichtern scheint an das Gelächter anzuknüpfen, mit dem Ferreiras Choreografie «Hu(r)mano» (2015) geendet hatte, doch einen Augenaufschlag später schon zieht es uns in einen regelrechten Bewegungs-Tumult hinein, der die Nacktheit des Königs (des Zuschauers) ausstellt. Wir werden regelrecht von Tänzer zu Tänzer weiterge-reicht, weitergegeben wie ein Ball, der nie den Boden berühren darf. Ein neckisches Spiel, das die Sinne kitzelt und niemals zur Ruhe kommt; das brutal ist, während es scheinbar freundlich daherkommt; das unbefangen wirkt und doch sehr ernst ist. ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 172
von Tiago Bartolomeu Costa
Aller guten Dinge sind drei: Nach 2008 und 2011 wird Sidi Larbi Cherkaoui abermals «Choreograf des Jahres». Dass er es irgendwann noch ein viertes Mal schafft, darf man mit Fug und Recht annehmen. Kein Choreograf ist derzeit weltweit so präsent wie der Belgier aus flämisch-marokkanischem Elternhaus. In seiner Geburtsstadt Antwerpen steht er heute sowohl der selbst...
Achttausend Menschen fasst das griechische Epidaurus-Theater, und das seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. Es ist der älteste Festivalort der Welt. Seit zwei Jahren ist Matthias von Hartz dort Programmmacher. Der 47-Jährige kuratierte von 2006 bis 2011 das «Impulse»-Festival in NRW, leitete bis 2012 das «Internationale Sommertheaterfestival» auf Kampnagel in Hamburg und...
Wir kennen die 67er-, 68er-Bewegung, wir kennen die Entwicklung zur RAF. Ich war sozialistisch-kommunistisch in Österreich erzogen worden, war in Köln in der marxistischen Bewegung, habe Ernst Bloch kennengelernt. Und ich habe, als Tänzer, mit George Balanchine, mit John Cranko, mit Maurice Béjart, mit Agnes de Mille, diesen großen Choreografen gearbeitet. Ich...
