Foto: Estelle Valente/Teatro São Luiz
Marco da Silva Ferreira
Still und leise, sanft und diskret hat er sich in die internationale Szene vorgearbeitet. Überraschende Eigenschaften, besonders wenn man sich anschaut, was der Portugiese Jahrgang 1986 so auf der Bühne anstellt.
Sein Stück «Brother» (2017) beispielsweise kann man auf zwei Ebenen lesen: einmal, oberflächlich und spontan betrachtet, als Patchwork mit Bezügen, die von Urban Dance bis Christian Rizzo reichen; dann aber auch als quasi live choreografiertes, dichtes und strategisch nachgerade perverses Body-DJ‘ing, so man den Tanz tatsächlich noch als konkretes Material und nicht als flüchtige Metapher versteht. Die sechs Tänzer treten maskiert und buchstäblich mit offenen Armen auf, so als lüden sie die Zuschauer auf die Bühne ein. Der satirische Ausdruck auf ihren Gesichtern scheint an das Gelächter anzuknüpfen, mit dem Ferreiras Choreografie «Hu(r)mano» (2015) geendet hatte, doch einen Augenaufschlag später schon zieht es uns in einen regelrechten Bewegungs-Tumult hinein, der die Nacktheit des Königs (des Zuschauers) ausstellt. Wir werden regelrecht von Tänzer zu Tänzer weiterge-reicht, weitergegeben wie ein Ball, der nie den Boden berühren darf. Ein neckisches Spiel, das die Sinne kitzelt und niemals zur Ruhe kommt; das brutal ist, während es scheinbar freundlich daherkommt; das unbefangen wirkt und doch sehr ernst ist. ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 172
von Tiago Bartolomeu Costa
Panaibra Gabriel Canda arbeitet seit 1993 als Tänzer und Choreograf in Maputo/Mosambik und im Rest der Welt. Bei seinen zahlreichen Festivalauftritten in Europa wird man jedes Mal daran erinnert, dass intellektuell grundierter Tanz nicht zwangsläufig langweilig sein muss, sondern ganz lebensprall und humorvoll daherkommen kann. Panaibras berühmte «Marrabenta Solos»...
Den Tanz der Zukunft gibt es nur noch im Plural. Es ist ein Tanz der Vielen, und er findet an Orten statt, die Vielheit und Teilhabe garantieren.
Diese Orte werden von Menschen geleitet, denen bewusst ist, dass die Tanzkunst immer vielfältiger und größer ist als sie selbst. Kuratorische Egoismen haben darin keinen Platz mehr.
Der Tanz der Zukunft kommt wieder mehr...
Wie hältst du’s mit der künstlerischen Freiheit? Gute Frage in aufgeheizten Zeiten. Ist ein Tanzstück politisch genug, um gesellschaftlich relevant zu sein? Wieder eine heiße Frage, eine Wiedergeburt aus den 1970ern. Nur: Heute scheint alles noch komplizierter, als es vor vierzig Jahren ohnehin schon war. Das vor zehn Jahren gegründete, junge italienische Kollektiv...
