Proben zu «La Belle» mit Olga Smirnova, Foto: Alice Blangero
Jean-Christophe Maillot: Revolution!
Es ist die Eigenheit der Kunst, sich zu entwickeln, zu erneuern und immer wieder selbst infrage zu stellen. Auch der Tanz folgt dieser Regel, ja er schreibt sogar an seiner eigenen Geschichte und befragt gleichzeitig seine Formen. Was mich heute am meisten überrascht, ist nicht so sehr die Entwicklung des Tanzes als vielmehr die grundstürzende Umwälzung, die hinsichtlich seiner Verbreitung vor sich geht. Jahrehundertelang waren wir es gewohnt, Tanz in Verbindung mit realen Orten zu sehen, mit Theatern, Museumssälen, vielleicht auch Straßenzügen.
Seit er die Leinwände und Monitore erobert hat, hat sich der Tanz ein Stück weit entmaterialisiert. Er hat sich einen Platz im Kino gesichert (manchmal in 3D), er ist in Social-Media-Formaten ebenso präsent wie auf Web-TV-Plattformen, er wird dank umfangreicher Strea-mings weltweit geteilt und unmittelbar kommentiert.
In der Tat erleben wir eine Revolution, was die Verbreitung choreografischer Inhalte betrifft. Was wir morgen zeigen wollen, müssen wir heute vorwärtsbringen. Genau wie ein Kompaniedirektor sich um Uraufführungen kümmern muss und ein Festival darum, wie es Zuschauer für neue Formen interessiert, bin ich mir völlig im Klaren ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 118
von Jean-Christophe Maillot
«Ich bin zu sarkastisch, um ein Huhn zu tanzen und das wirklich zu genießen», sagt er lachend. Was macht ein Brite, der mit einem Lieblingsballett der Londoner, Frederick Ashtons «La Fille mal gardée», so gar nichts anfangen kann? Er sucht sich anderswo Arbeit. Schon mit 15 Jahren zog sich Adam Russell-Jones Videos vom Nederlands Dans Theater (NDT) rein und war...
Die Linie, die Diagonale, die Kurve, der Winkel. Deren Kraft und Poesie betont der italienische Choreograf. Reichert sie an, indem er Körper wie kantige Gebilde in das Geflecht der Linien stößt oder mit sanftem Pulsen deren Richtungsdrängen hemmt. Dabei gibt er Zeit: Die Reihen seitlich gelagerter, skulptural arrangierter Tänzer und Tänzerinnen, mit denen sein in...
Der junge Bailaor aus der Hafenstadt Cádiz straft alle jene Flamenco-Legenden Lügen, die besagen, dass man den Flamenco im Blut haben muss, oder noch besser in den Genen. In seiner Familie gibt es weit und breit kein einschlägiges Erbe. In seiner Familie interessiert man sich für Sport. Sein Bruder spielt in einem bekannten Fußballclub, und er selbst kam nur durch...
