Bárbara Flora, Arthur Haas; Foto: Laurent Ziegler
Graz: «Meine Seele hört im Sehen»
Wenige Monate nach seinem erstaunlichen Abend «Kontrapunkt. Auf der anderen Seite von Bach» legt Jörg Weinöhl am Grazer Opernhaus seine nächste Barock-Hommage vor. Neunzig Minuten nahezu reiner Tanz, die der scheidende Ballettdirektor (tanz 1/18) zart durchpulst mit Schwingungen feinster Art. So als bestelle ein Gärtner seine jungen Pflanzen und versorge sie mit Körper- und Ausdrucksstudien, die möglicherweise Vorbereitung sind für ganz andere Unternehmungen.
Für ein Losstürmen aus vollstem Herzen? Jetzt heißt es Gehen, Drehen, Wenden, Deuten, Bedeuten, Heben, Fließen in den unterschiedlichsten Nuancierungen und Paarungen. Historischer Tanz? Ganz und gar nicht! Das wirkt vielmehr, wie wenn wieder einmal genau hingeguckt wird, was denn das Wunder kultivierter, geformter Bewegung aus der Barockzeit beinhaltet und wie die menschliche Natur sich daran entzückt. Das liest sich naiv, fast kitschig. Und doch entsteht der Eindruck, dass Weinöhls Auseinandersetzung mit barocker Musik und Lebensfreude ein Detailstudium vorangegangen sein muss, das einen unwillkürlich an die Universen des Schriftstellers Daniel Kehlmann denken lässt. Der Witz des Tanz-Meisters blitzt dabei vorsichtig auf, ...
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Tanz Februar 2018
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 48
von Andrea Amort
Als Kind der 1970er- und 1980er-Jahre kommt man sich in Zürich nicht nur alt vor, wenn der Rücken zwickt beim Aufstehen. Ausgerechnet im Tanz fühlt man sich häufig zurückgeworfen in einen Diskurs, den zu überwinden schon die 68er geglaubt hatten. Da feiern Themen Wiederauferstehung, die ganz ohne Nostalgie an die Zwänge der 1960er-Jahre erinnern: Es geht um...
Die Essenz einer guten Zeichnung – und vielleicht auch eines guten Gedankens – ist, einen Gegenstand auf die einfachste mögliche Form zu reduzieren und zugleich seine Substanz und seinen Sinn zu erhalten. Sagt Chuck Jones (1912 – 2002), vielfach preisgekrönter Zeichner und Regisseur von zahllosen Zeichentrickfilmen. Wie das geht, sehen wir in einem abstrakten...
Verletze deine Seele. Schwer. Beleidige sie. Bis aufs Blut. Wie auch immer man den Titel der jüngsten Arbeit der griechischstämmigen Choreografin übersetzen will – in Kat Válasturs Worten handelt es sich um ein Solo für einen «Humanoiden mit sensibler Haut». Diesen setzt sie auf der Bühne aus wie eine gewaltig klaffende Lücke zwischen Mensch und Kunst. Ein einsamer...
