Tänzer des Jahres: Jan Casier
Bei Jan Casier springt das Besondere einer Bühnenfigur sofort ins Auge. Vergleichbar einem weichen Handschuh kehrt der belgische Tänzer das Innere einer Figur nach außen und lässt den Zuschauer am Offenbarten teilhaben. Diese Begabung prägt die Rollen, die er tanzt, auf unverwechselbare Art und Weise. Es war im Oktober 2013, in Christian Spucks Ballett «Woyzeck» am Opernhaus Zürich, und es war Liebe auf den ersten Blick: Zum jagenden Pulsschlag der Musik exponierte der Tänzer damals als Woyzeck das Bewegungsrepertoire eines Außenseiters mit beinahe autistischen Zügen.
In rasendem Tempo kreist Casier als Woyzeck um die eigene Achse, salutiert, spielt den Underdog in der sozialen Hackordnung, und offenbart dabei dessen Verletzlichkeit. Woyzecks Lebensdrama wird so in virtuoser Verdichtung sichtbar. Casier tanzt mit hängenden Schultern, eingezogenem Kopf und nach vorne gestrecktem Kinn. Er wird zum Ebenbild eines bedrückten Menschen, der schon zu lange eine unsichtbare Last auf den Schultern trägt, es allen recht machen will und sich dabei immer mehr von sich selbst entfremdet. Siegertypen sehen anders aus. Durch seine originellen eckigen Bewegungen unterscheidet sich Casier an ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Tänzer des Jahres, Seite 128
von Martina Wohlthat
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Prolog
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