Paradoxe Romantik
Wie romantisch! Gemeinsam tanzen bis zum Umfallen, auf Gedeih und Verderb. Sich gegenseitig unterstützen, um länger durchzuhalten als alle anderen und das Preisgeld einzuheimsen. Dafür müssen strenge Regeln – kurzer Schlaf-, Trink- und Essenspausen – respektiert werden. Bekannt wurde das Phänomen aus den 1930er-Jahren durch den Roman «They Shoot Horses, Don’t They» («Nur Pferden gibt man einen Gnadenschuss») von Horace McCoy aus dem Jahr 1935, der so richtig zu Ruhm gelangte, als Sydney Pollack ihn 1969 mit Jane Fonda in der Rolle der Gloria Beatty verfilmte.
Dieses Drama in einem Tanzstück zu verarbeiten, das muss doch einfach sein, sollte man meinen. Schließlich ist Tanz das Thema. Aber hier sind Menschen das Thema, die Tanzen als Mittel einsetzen, um ihre sozialen und finanziellen Probleme zu überwinden. Deshalb entwickeln sich hier menschliche Dramen jenseits von Walzer oder Foxtrott. Berufstänzer*in zu sein, kommt dabei niemandem in den Sinn. Es geht allein darum, länger als die Konkurrent*innen auf den Beinen zu bleiben und eventuell einen Filmregisseur auf sich aufmerksam zu machen.
Debüt mit großem Ensemble
Bruno Bouché hat sich 2023 an den Stoff herangemacht und erkannte, ...
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Tanz November 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Thomas Hahn
THE BODY WITHIN ABSTRACTION
Konstruktivismus und Abstraktion haben den Ruf, körperlose Künste zu sein: Es geht um Linie, Farbe und Oberfläche, der Körper kommt da nur am Rande vor. Aber vielleicht blendet diese Sicht ja einen wichtigen Zugang zur Abstraktion aus? Die von Sabine Schaschl kuratierte Ausstellung «The Body Within Abstraction» fragt, wie unter anderem...
Es gibt Tänzer, denen sieht man eine ganze Weile zu. In verschiedenen Rollen, bei verschiedenen Anlässen, und immer bleibt es beim Eindruck: sehr schön, aber nicht unbedingt spektakulär. Dann kommt der eine Moment, der das Blatt wendet. Eine Geste, eine Arabesque, wie maßgeschneidert für den Tänzer, der die Form zugleich über ihre eigenen Ränder hinaustreibt. Bei...
Drei Stücke, zwei Uraufführungen – ergibt einen «Tanzrausch»? Zumindest Kinsun Chans schon 2017 in München uraufgeführtes «Storm» scheint eher vom Wetter vor der Tür des Bremerhavener Stadttheaters zu handeln: Es gibt Regenschirme, Nebel, Kampf gegen Wind, in präzisen Auflösungen aus dem Ensemble in kleinere Formen überführt. Und einen schwarzen Bühnenraum, der die...
