Mario Schröder «Das Nibelungenlied»
Einen Komponistennamen sucht man auf dem Besetzungszettel vergebens. Anders als in Göteborg, wo Ulf Gadd 1983 seinen «Ring» vorstellte, anders als in Berlin, wo Maurice Béjart einen grandiosen «Ring um den Ring» als Vermächtnis hinterließ, anders als in Trier, wo sich zuletzt Birgit Scherzer unter dem Titel «Alles weiß ich: Alles» mit Ringmotiven beschäftigte, fußt das neueste Nibelungenballett nicht auf dem Mythos, wie ihn Richard Wagner im «Ring des Nibelungen» präsentiert.
Denn Mario Schröder greift zurück auf das mittelhochdeutsche «Nibelungenlied», das in Kiel nicht zu hören ist, um seinen konsequenten Verzicht auf Wagners Musikdrama zu rechtfertigen. Ohne Musik kommt aber sein Zwei-Stunden-Stück auch nicht aus. Von minimalistischem Jazz eines Nik Bärtsch über die «Alphabetisierung» einer Rede von George W. Bush durch Lenka Clayton bis hin zu Kompositionen von John Zorn und Aram Chatschaturjans «Säbeltanz» in der Verballhornung der Leningrad Cowboys findet sich immer ein Grund, so richtig zu tanzen.
Getanzt wird viel im «Nibelungenlied», auch wenn zunächst noch mehr gesprochen wird. «Haben Sie sich schon mal in jemanden verliebt, den Sie gar nicht kannten?», fragt Nina ...
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