León/Lightfoot, Girelli, Wheeldon «Augen/Blicke»
Den flüchtigen Moment, den magischen oder beängstigenden Übergang zwischen zwei vertrauten Zuständen, versucht dieser Abend anhand der flüchtigen Kunst des Tanzes zu greifen; er vereint dafür in Werken aus nicht einmal zwei Jahrzehnten erstaunlich unterschiedliche Ästhetiken.
«Shut Eye» entstand 2016 fürs Nederlands Dans Theater und zeigt Sol León und Paul Lightfoot auf dem Zenit ihres choreografischen Könnens: mit surrealen Figuren und unheimlichen Projektionen, schwarzweiß changierend wie der blasse Vollmond, der hier in einem engen Zimmer leuchtet.
In so eloquenter wie souveräner Handschrift zeigt das Duo den Moment, wenn beim Einschlafen das Bewusstsein in den Traum driftet – mit acht höchst unterschiedlichen Figuren, grotesk und grimassierend, von einem Kobold besessen und von Spiegelbildern heimgesucht. Das Werk erscheint fast schon als Relikt aus der Zeit, als es im modernen Ballett noch Individuen statt eines gleichgeschalteten Corps gab. Bei den starken Persönlichkeiten der Stuttgarter Compagnie fällt es auf fruchtbaren Boden.
Vittoria Girelli choreografiert mit «Vermilion» nach Werken im Schauspielhaus zum ersten Mal für die große Bühne. Sie hält es eher mit Sharon Eyal, ...
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Tanz Mai 2026
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Angela Reinhardt
Lianen klettern an der Wand entlang, führen das Publikum in den Bühnenraum des Théâtre National Wallonie-Bruxelles. Zwischen Holzspänen, Baumstümpfen, den Spuren von gerodeten Wäldern, entfaltet der kamerunische Choreograf Zora Snake seine neue Arbeit «Combat des Lianes». Man erkundet die Bühne: die massiven Holzstümpfe verbreiten einen süßlichen Duft. Es erklingen...
Dem Format der Pitchings haftet etwas von Trostpreis an: Die künstlerischen Arbeiten bzw. Methoden gelten als interessant, reichen aber nicht für einen abendfüllenden Slot im Showcase. Und doch sind sie für Kurator*innen eigentlich echte Fundorte: weniger fertige Produkte als ein Denken in Bewegung – bei gleichzeitiger Nähe zu den Künstler*innen.
Sichtbarkeit und...
Ein Dreierabend, der unter dem Titel «Avant-Garde» neben zwei eigens auf die Ballettcompagnie des Hauses zugeschnittenen Kreationen von Robert Bondara und Marco Goecke auch das technisch ausgefeilte «27’52”» von Jiří Kylián aus dem Jahr 2002 präsentiert – ein Stück, in dem die Lebensuhr abläuft und die Zeit verrinnt, während die Figuren nach erfüllten Beziehungen...
