Davids Finale
Sommer 2025: In dieser Nacht, 21 Tage vor dem Ende seiner Karriere, hilft Tee nicht mehr. Es ist schon nach Mitternacht, als David Valencia die angebrochene Flasche Rosé aus dem Kühlschrank holt. Er trinkt den Wein aus und legt sich wieder ins Bett. Doch der Schlaf kommt nicht. David hat Panik. Am nächsten Morgen soll er das letzte Solo seiner Ballettkarriere proben. Er tanzt seit 30 Jahren und ist trotzdem nervös, denn dieses Solo ist nicht einfach der Endpunkt, sondern der krönende Abschluss seines Tänzerlebens. Der Choreograf ist eine lebende Legende, das Musikstück weltberühmt.
Diese Superlative, sagt David, machen den letzten Tanz zu seinem wichtigsten. Erst kurz vor Tagesanbruch schläft er ein.
David Valencia hat alles fürs Tanzen gegeben. Jetzt, mit 38 Jahren, geht er in Rente. Die Zeit ist reif. Er ist der älteste Tänzer der Ballettcompagnie am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz. Er ist kein Star der Szene, aber er konnte vom Tanzen leben. Was nicht vielen gelingt: David schätzt, dass nur ein Drittel derer, die eine professionelle Ballettausbildung durchlaufen, das Tanzen langfristig zu ihrem Beruf machen. «Diese Karriere ist extrem selektiv», sagt er, auf Englisch, ...
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Tanz August/September 2026
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Franziska Wessel
Der Ballettsaal ist im Prinzip nichts anderes als ein Welt- und-Charakterkaleidoskop. Wer immer hereinschneit, hat die eigene Stimmung im Gepäck. Der Sunnyboy blinzelt gute Laune bis in die letzte Ecke, die Einfühlsame streichelt einer bedrückten Kollegin über die Wange, der Strebsame setzt zur x-ten Tour à la seconde an, fünf junge Damen sprechen die Modalitäten...
Ausstellung
NEW YORK MOVES
Jamel Shabazz begann Ende der Siebziger, noch als Teenager, in den Straßen seiner Heimat Brooklyn zu fotografieren – im Laufe der Jahrzehnte entstand so das Panoptikum einer Stadt, die immer in Bewegung ist, ebenso wie eines Viertels, das sich von einer übel beleumundeten Gegend zum durchgentrifizierten Hotspot entwickelte. Die...
Mit «Balkan Erotic Epic» schlägt die Performancekünstlerin Marina Abramović erkennbar eine neue künstlerische Richtung ein. Weit entfernt von den karg-reduzierten, radikalen Aktionen, mit denen sie die Performancekunst der 1970er- und 1980er-Jahre revolutionierte, entfaltet sich der Abend als ausladende dramatische Kreation, die mehr als 70 Performer*innen,...
