Adam Seid Tahir «and from their hair, unending forest»
Ymir ist in der nordischen Mythologie ein geschlechtsloses Wesen, aus dessen Ermordung durch Odin die Welt hervorgeht. Entsprechend ist Ymir ein Protagonist der Schöpfungsgeschichte, der Mord ist quasi der erste Schritt zur Weltwerdung. Vor allem aber ist Ymir ein Reisender zwischen den Mythologien: Sein Name, der ungefähr «Zwitter» oder «Zwilling» bedeutet, ist verwandt mit dem altpersischen «Yima» (im Zoroastrismus ein Herrscher) und dem altindischen «Yama» (im Hinduismus der Gott des Todes).
Adam Seid Tahir, 1995 in Schweden geborene*r Choreograf*in mit schwedisch-eritreischen Vorfahren, beschäftigt sich schon länger mit afro-nordischer Folklore. Die jüngste Arbeit «and from their hair, unending forest» nimmt explizit Bezug auf Ymir, aus dessen Haaren Odin die Bäume geschaffen haben soll. Zudem geht es um die Rune Thurisaz, die nach den Thursen benannt ist, Riesenwesen, die in der vormenschlichen Welt eine Ordnungsfunktion einnahmen (und entsprechend als Widerstand gegen die Zivilisation gelesen werden können).
Diese mythologische Gemengelage bildet sich bei der Uraufführung im Rahmen des «Internationalen Sommerfestivals» in Hamburg auf der Bühne ab: in Haarmetaphorik, Haaren, ...
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Tanz Oktober 2026
Rubrik: Kalender, Seite 52
von Falk Schreiber
Saarbrücken
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