Alan Lucien Øyen «Antigone»
Das bestens erhaltene antike Theater diente während des diesjährigen Athener «Epidaurus-Festivals» als Spielstätte für Alan Lucien Øyens Neudeutung der Sophokles-Tragödie «Antigone», rund 10 000 Besucher*innen füllten an zwei Abenden die Zuschauertribüne. Dank der legendären Akustik des Theaters konnte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören – so entstand eine Intimität, die angesichts der monumentalen Dimensionen frappierend wirkt.
Das modernistisch-klare Bühnenbild von Åsmund Færavaag besteht aus sieben groben, sich ständig umarrangierenden Holzwänden, zwischen denen sich Durchgänge öffnen und verschließen. Statt die Handlung des klassischen Dramas nachzuerzählen, nutzt Øyen die Vorlage als Rahmen für die Gegenwart: Künstliche Intelligenz und geschlechterbezogene Gewalt finden Eingang ins Geschehen, ebenso brutaler Kapitalismus, wenn Arbeiter per Mail gefeuert werden. Die Vorlage bleibt dabei zwar erkennbar, doch ihre Heldin verschwindet zunehmend hinter einer Collage aus heutigen Angstszenarien.
Der Tänzerin Nazareth Panadero gehört die berührendste Sequenz des Abends: Eine einsame Frau erinnert sich an ihre Familie und stellt sich ihrer eigenen Sterblichkeit – während ...
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Tanz Oktober 2026
Rubrik: Kalender, Seite 46
von Nicolas Vamvouklis
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