Abglanz einer Epoche

Er war Augenzeuge großer Veränderungen, Chronist der Oper – vor allem aber des Balletts. Das Pariser Musée d‘Orsay würdigt Edgar Degas mit einer spektakulären Schau.

Tanz - Logo

Das Theater war längst abgebrannt, er aber mochte sich nicht von ihm trennen. Also hielt er das  untergangene Ambiente noch in seinen Bildern fest, obwohl die Wirklichkeit längst eine andere war. 1873 versank das Opernhaus in der Pariser Rue Le Peletier in einem Flammenmeer, zwei Jahre später wurde das goldprotzige Palais Garnier in Betrieb genommen. Edgar Degas gewöhnte sich nie so recht an dieses stuckierte Eldorado, zumal die dort produzierte Kunst kaum mehr an die legendären Uraufführungen der ersten Jahrhunderthälfte -heranreichte, deren Nachhall er noch vernehmen konnte.

Degas, Sohn eines Bankiers, war 1834 in der französischen Kapitale zur Welt gekommen, just als Oper und Tanz zu neuem Höhenflug ansetzten. Mit Musik, Theater, Konzert (und entsprechenden Soireen in der elterlichen Wohnung) groß geworden, nahm er zunächst ein Studium der Rechtswissenschaft auf. Ein Missgriff, den er durch den Wechsel an die École des Beaux-Arts  korrigierte, wo er sich fortan der Bildenden Kunst widmete. 1867 hielt Degas zum ersten Mal eine Ballettszene fest: die Ballerina Eugénie Fiocre als Fee in Arthur Saint-Léons «La Source», im Jahr zuvor zu Klängen von Léo Delibes und Ludwig Minkus aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2020
Rubrik: Traditionen, Seite 50
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Impressum 1/2020

tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance

Herausgeber 
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion  
Sofie Goblirsch, Hartmut Regitz, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung), Arnd Wesemann
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin 
Tel +49 (0)-30-254495-20, Fax -12 
redaktion@tanz-zeitschrift.de
www.tanz-zeitschrift.de

Gestaltung & Bildredaktion 
Marina Dafova

Anzei...

Einstürzender Himmel

Als man ihn tot auffand, war niemand sonderlich überrascht. Drogen, Suff, ein Leben im Exzess – Tennessee Williams hatte sich nie geschont und nichts verkniffen. Im Februar 1983 kam er im Hotel Elysée an New Yorks 54. Straße zu Tode. Mutmaßlich erstickt an einer Verschlusskappe von Nasen- oder Augentropfen, bis heute weiß man es nicht genau. Seine Hotelnachbarn...

Weniger Geld: Einschnitte in Flandern

Was gerade in Belgien passiert, hat sich schon lange angekündigt. Rechtspopulisten haben es überall und zu jeder Zeit verstanden, dass Einflussnahme auf die Kunstförderung ein wichtiges Instrument zur Verbreitung ihrer nationalistischen Ideologien ist. Nicht nur in Belgien: Die Niederlande, Polen, Ungarn haben es vorgemacht. Auch in Deutschland nimmt in einigen...