Virtuell
Lev Manovich, der Russe in Kalifornien, ist ein brillanter Medientheoretiker. Von ihm stammt der Begriff des «augmented space», des «wachsenden Raums». Zwar wird nicht die Erde größer, aber die Fülle an Information. Keine Kreuzung, kein Supermarkt, keine Landesgrenze ohne Datenerfassung. Immer mehr Orte werden ausschließlich von Daten gesteuert, nicht nur virtuelle Orte wie Computerwelten. Sondern ganz reale Orte wie Flughäfen, Tankstellen und Grenzkontrollen. Lev Manovich sagt: «Virtuell» war gestern.
Jetzt hat sich materialisiert, was die 1990er Jahre romantisch noch «Cyberspace» nannten. Die Datenkolonien von einst, der exotische Raum der Simulatoren oder Computerspiele, haben einen realen Körper erhalten. Mit jedem eingeschalteten Mobiltelefon, jedem Navigationssystem im Auto, jedem Messgerät am Boden, im Wasser oder in der Luft «verdichtet» sich die bloße Realität zu einer elektronischen Entität. Ich bin, als physischer Kunde, nicht mehr nur Kunde, sondern per Kreditkarteninformation auch eine elektronisch bekannte Umsatzgröße. Das ist ein existenzieller Unterschied. Eine Tsunamiwelle ist physikalisch eine kaum merkliche Erhöhung des Meeresspiegels, aber im «augmented space» ...
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Schwarzer Humor, bisweilen an der Grenze zum Zynismus, spielerisch bis zur Anarchie, intensiv und dynamisch, dabei mit scharfem Blick auf die Mechanismen unserer Gesellschaft. «The Lindenmeyer System» etwa macht die Distinktion in EU-Members und Non-EU-Members hautnah erfahrbar, die Folterposen in seinem jüngsten Stück «Hypertopia» provozieren unsere Reaktionen...
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